Buchpräsentationen-Lesungen
Apocalypsia

Verlag: Rotbuch Verlag; Auflage: 1 (12. August 2010)
Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.(Off.12,7-9)
Vorweg sei gesagt, es hat mich in den vergangenen Monaten kein Buch so in den Bann gezogen wie das neue Buch von Andreas Izquierdo. Sicher waren die Erwartung an das Buch hoch, wurde er doch für sein Buch "Der König von Albanien" mit dem Sir Walter Scott Preis ausgezeichnet. Apocalypsia jedoch ist ein fulminantes Buch über, ja über was? Gott- die Menschheit oder über den Gedanken, das die Ewigkeit doch nicht ewig ist? Hat die Schöpfung ein Ablaufdatum? Was in der Bibel in der Offenbarung durch eine bildgewaltige Sprache geschildert wird, der Kampf Gottes gegen das Böse, das himmlische Jerusalem, greift der deutsche Autor auf und fügt noch eine Komponete hinzu, der Schöpfer ist sterblich.
Die Geschichte beginnt mit dem Selbstmordversuch einer reichen, scheinbar glücklichen doch unendlich einsamen Frau. Doch wie durch ein Wunder stirbt sie an den Folgen des Suizidversuches nicht, in der Klinik in der sie liegt, begegnet sie der jungen Ärztin Esther. Eine junge Frau die an der Vergangenheit fast verzweifelt, von Lebensfreude ist hier keine Spur zu finden. Sie spult den Alltag ab, Tag für Tag, nach der Arbeit wartet nur eine leere Wohnung auf sie. Judith und Esther, sowie Daniel bilden die menschliche Hauptkomponente, sie erleben wie die Erde von etwas nicht greifbaren zerstört wird.
Die sich zunächst unbekannten Frauen, Esther (der Überlieferung der Bibel soll Esther die Juden vor der Vernichtung gerettet haben) und Judith ( hebr. Bedeutung Frau von Judäa) sowie Daniel, der einst eine Rolle im Leben von Esther spielte sind zwar nur Randfiguren, doch ihr Leben ist mit der Existenz von Engel verbunden, im Laufe der Erzählung wird dies durchaus glaubhaft,denn:"Bevor ein Kind geboren wird, kommt ein Engel daher, legt ihm seinen Finger auf die Lippen und bittet es, das Geheimnis des Lebens für sich zu bewahren....
...Daher kommt die kleine senkrechte Spalte zwischen Mund und Nase..."
Doch die Hauptfiguren sind die Engel. Izquierdos Engel sind anders, seine Engel haben nichts mit den Malerein von Raffaelo Santi gemeinsam die Harfe spielend,pausbäckig auf Altarbildern zu sehen sind, sondern sind Krieger. Statt Wolken Festungen und statt Harfe Schwert,Lanze und Schild. In einer strengen Hirachie leben sie im Reich Gottes, Jahrtausende sind für sie wie Jahre für Menschen und scheinbar unsterblich und unbesiegbar dienen sie der Schöpfung .Ihre Welt ist so unbeschreibar wie gigantisch, so ungreifbar wie der Glaube an sie aber dennoch existent. Das Gleichgewicht des ewigen Lebens beginnt sich zu ändern als Gott zu sterben beginnt, und der Kampf um seine Nachfolge beginnt.DasSpiel um die Macht, der Kampf um die Nachfolge auf den Thron Gottes beginnt. Izquierdos Engel zeigen durchaus menschliche Züge, sie zweifeln, sie hadern mit sich, schmieden Intrigen-sind durchaus in ihren Handlungen und Gedanken nicht immer heilig. Doch sie haben eine Hoffnungsschimmer- ein Engel soll sie retten, der Heerführer im Kampf gegen das Böse sein.
Im Eis, weit weg von der Menschheit, in einer anderen Welt wird ein Engel durch Feuer geboren. Doch der mächtige Engel Iax der den Neuankömmling erwartet und hofft die Prophezeiung findet seine Erfüllung, erstarrt vor Ekel und Abscheu als er den neuen Engel Nathanael zum ersten Mal sieht. Nicht makellos sondern mit einer Behinderung. In der Welt der Engel ein Individium das noch nie da war, sind die Geschöpfe Gottes doch von unvergleichbarer Schönheit, Reinheit und Perfektion. Der Krüppel soll der Auswählte sein, ein Krieger der das Schwert gegen Luzifer schwingen soll? Voller Zweifel und auch Ablehnung beginnt Iax trotzdem mit Ausbildung von Nathanael. Er versucht ihn zu einem Krieger nach seinen Ideal zu formen, aber innerlich bleibt er vom Makel des jungen Engelskriegers abgestoßen. Nathanael spürt die Ablehnung seines Meisters und beginnt an sich zu zweifeln, sein einziger Tröster ist der Engel Seth, im Vergleich zu den andern ebenfalls ein junger Engel. Gemeinsam versuchen sie in der Engelswelt ihren Platz zu finden. Doch diese wird nur vom nahendem Ende Gottes beherrscht und von dem scheinbar auswegslosen Kampf gegen die Heerscharen des Nichts.
Während die Engelsarmeen gegeneinander kämpfen, wird die Erde von der Apokalypse heimgesucht. Zerstörung in einer Welt verursacht Zerstörung in der Anderen. Die Menschen versuchen zu überleben, aber sie können ohne die Engel nicht existieren und umgekehrt das gleiche. So geht die Erde ihrer Zerstörung entgegen, und die Menschheit ihrem Tod.
Andreas Izquiero hat hier eine Roman geschaffen, der nicht mehr loslässt. Er zieht den Leser in seinen Bann, lässt die Welt der Engel durch seine plastische Schilderung vor den Augen entstehen. Die Zerstörung aus der Sicht der Menschen wird und klar und deutlich erzählt ,den Untergang beschreibt er ohne a la Hollywood unglaubwürdig zu werden, es gibt hier keine Superhelden die dagegen ankämpfen. Im Gegenteil das Individium Mensch ist hilflos gegen die Allmacht . Der Krieg der Engel, deren nackter Kampf ums Überleben und die verzweifelte Suche nach einem Erlöser der zweite Strang der Erzählung. Diese sind Wesen mit Fehlern, mit falschen Hoffnungen, die auch vor Mord und Verrat nicht zurückschrecken um zu überleben. Gott ist nur eine Randfigur, zwar Auslöser, wird erwähnt, aber nicht beschrieben, keine fantasievollen Beschreibungen, kein alter Mann mit weissen Bart- hier ist es dem Leser überlassen seine Gedanken frei zu lassen.
Es ist kein Endzeit - oder Fantasyroman im herkömmlichen Sinne sondern durch seinen Stil, die philosophischen Gedanken und Einflüsse durch die alten Schriften der Religionen, etwas Neues, das nur als ein wunderbarer Roman zu beschreiben ist. Dadurch das die Angst vor dem Ende ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Denkens ist, ein Aufzeigen ob wir nicht mehr darüber nachdenken sollten das, das Ende der Welt so wie wir sie kennen,durchaus möglich ist. Sei es durch den Mensch der sie langsam zerstört oder durch die Offenbarung. Denn wer löst den Beginn des Endes der Menschheit dann wirklich aus - wir selber oder Gott?
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Der Autor:
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Andreas Izquierdo
Jahrgang 1968, deutscher Journalist und Autor
Drehbuchautor ua. für private deutsche Sender
1995 veröffentlichung des ersten Romanes einem Kriminalroman dem weitere folgten, (Eifelkrimis)
2008 Sir Walter Scott Preis als bester historischer Roman für Der König von Albanien (Rotbuch 2007)
