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Leopold Auberg, ein siebzehnjähriger Siebenbürger Sachse aus nationalem Elternhaus, wird im letzten Kriegswinter – Rumänien hat eben vor den Russen kapituliert – wie alle im Land lebenden Deutschen zwischen 17 und 45 zur Zwangsarbeit in sowjetische Arbeitslager deportiert. Er wird dem Arbeitsbataillon 1009 zugeteilt und erhält die Arbeitsnummer 756. Zwei Sätze sind es, die ihn im Lager am Leben halten: "Der Himmel setzt die Zeit in Gang", eine Inschrift in der Kirche des Heimatdorfs, und der Abschiedssatz der Großmutter: "Ich weiß, du kommst wieder."

Fünf lange Jahre wird der junge Mann im Lager zubringen müssen. Fünf Jahre Kopf-, Filz- und Kleiderläuse und Wanzen im Bettgestell. Eine "Hautundknochenzeit", die Krankenbaracke eine Krepierstube. Die grausame Willkür der Wachmannschaften, dazu unmenschliche Arbeitsbedingungen, an denen viele jämmerlich zugrunde gehen. "Ich habe keine Angst vor dem Schaufeln, sondern vor mir. Also davor, dass ich beim Schaufeln noch an etwas anderes denke, als dass ich schaufle. Das ist mir die erste Zeit manchmal passiert. Es zehrt an den Kräften, die man zum Schaufeln braucht."

Der Tod: "Man muss ihn wegscheuchen wie einen lästigen Hund." Dreihundertdreißig Tote zählt man im dritten Lagerjahr. Allgegenwärtig ist der Hunger: "Was kann man sagen über den chronischen Hunger. Kann man sagen, es gibt einen Hunger, der dich krankhungrig macht. Der immer noch hungriger dazukommt, zu dem Hunger, den man schon hat. Der immer neue Hunger, der unersättlich wächst und in den ewig alten, mühsam gezähmten Hunger hineinspringt. Wie läuft man auf der Welt herum, wenn man nichts mehr über sich zu sagen weiß, als dass man Hunger hat. Wenn man an nichts anderes mehr denken kann. Der Gaumen ist größer als der Kopf, eine Kuppel, hoch und hellhörig bis hinauf in den Schädel. Wenn man den Hunger nicht mehr aushält, zieht es im Gaumen, als wäre einem eine frische Hasenhaut zum Trocknen hinters Gesicht gespannt."

 

Ich gestehe ich habe von Hertha Müller noch nie was gehört, geschweige denn gelesen was ich aber schleunigst nachholen werde!

 

 
für den Inhalt verantwortlich Barbara Lechner