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Barmherzigkeit

  • Broschiert: 96 Seiten
  • Verlag: Residenz; Auflage: 1 (17. Februar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3701731470
  • ISBN-13: 978-3701731473

 

Was ist Barmherzigkeit eigentlich in der heutigen Zeit? Findet sie heute noch statt oder ist sie ein Relikt aus vergangener Zeit? Im christlichen Glauben gibt es 14 verschiedene Arten der Barmherzigkeit, (7 geistige und 7 leibliche ) neben Hunger, Durst und körperliches Leid, den Toten zu gedenken ist eine davon "Die Unwissenden lehren.". Dies trifft hier auf den Autor zu, lehrt er uns nachzudenken.  Sind wir doch in der heutigen Zeit trotz der medialen Flut an Information auch unwissend. Was wissen wir von Flüchtlingen, ihrem Leben bevor sie den Status "Asylant" bekommen, den bettelnden Kindern, den Frauen ,die dem Menschenhandel ausgeliefert sind, eigentlich? Sind wir barmherzig wenn wir dem Bettler Geld hinwerfen oder beruhigen wir nur unser schlechtes Gewissen?

 

Von dem Großvater, der seinem verstoßenen Sohn verzeiht, ihm ein Rasiermesser in die Hand gibt ist  Barmherzigkeit die Vergebung. Die jungen Frau, zeigt sie sich in der  Nächstenliebe anderer, welche ihr ein Leben nach der  Flucht von ihrer Familie ermöglichen. Das  Romamädchen, das die Schuld ihres Vater abarbeiten muss, wo bleibt hier die Barmherzigkeit ? Der Onkel der dem Vater Geld borgt, aber die Schuld doch einfordert  und Tanja, dem Spiel der Vogelscheuche liefert. Oder in Form eines verdeckten Ermittlers, der sie aufgreift wenn das Betteln nicht genügt und sie das letzte verkauft was noch ihr gehört- ihren Körper. Zeigt sich ihr die Barmherzigkeit erst dann wenn sie bei jemanden landet der sich um verlorene, vergessen, verdreckte oder vergewaltige Kinder landet, bei jemanden der davon träumt das es eines Tages keinen Menschenhandel mehr gibt?

Dimitré Dinev zeichnet hier ein Bild von einer Gesellschaft, die es sich nicht leisten kann Barmherzigkeit öffentlich zu zeigen und gleichzeitig das Gegenbild jener die diese doch zeigen und leben. Eher Gleichnissen ähnelnd wird hier der Bogen von der Kindheit in Bulgarien bis zur Frage was uns den Frieden garantieren kann gespannt. Er begibt sich auf die Suche nach jenen, den Bösen, die Europa immer wieder zurückwerfen, stellt die Frage ob Wirtschaft und Bildung wichtiger sind als das philosophische Gewissen des einzelnen.

Würde es Barmherzigkeit heute nicht mehr geben, wären wir immun gegen das Leid unserer Mitmenschen, Erdbebenopfer würden unsere Spendenfreudigkeit nicht mehr spüren und die Welt würde in einer geistigen Eiszeit erstarren. Ohne Barmherzigkeit würde es keine soziale Gerechtigkeit mehr geben.

Barmherzig zu sein heißt nicht die Belohnung für seine Taten zu sehen sondern sich mit dem Notleidenden zu identifizieren, sich versuchen in seine Lage zu versetzen und auch zu hinterfragen und eine Lösung anzubieten. Ob die Barmherzigkeit dann in nur in Worten oder auch in Taten erfolgt bleibt jedem sich selbst und seinem Gewissen überlassen.

Buch hier erhältlich:

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„Barmherzigkeit“ ist der Auftakt der neuen Reihe „Unruhe bewahren“ in Kooperation mit der Akademie Graz und ist das Motto der Frühlings und Herbstvorlesungen.Diese  werden  seit 2009 im Residenz Verlag als Essay veröffentlicht, von der Idee geprägt das der Mut zur Vorsicht und die Leidenschaft für das was nicht mehr zeitgemäß ist von engagierten Zeitgenossen getragen wird. Barmherzigkeit stand am 6. April 2009 auf dem Programm.

Weitere Mitwirkende sind

Christina von Braun
Thomas Macho
Ilija Trojanow
Peter Bieri

 

 

Dimitré Dinev

 

Im Jahr 2000 überzeugte ein junger Schriftsteller die Juroren beim Wettbewerb "Schreiben zwischen den Kulturen". Ein Jahr später erschien das erste Werk ,ein  Erzählband "Die Inschrift". Bei einem Auftritt im Amerlinghaus beeindruckte  er die Verantwortliche eines Verlages, und dieser gab seinen ersten Roman "Engelszungen" heraus.

Eigentlich nichts besonders denkt man, nur ist die Geschichte des Autors nicht eine alltägliche:  Dimitré Dinev ist ein Migrant und seine erste Station in Österreich war nach Linz das Lager in Traiskirchen.

1990 von Bulgarien nach Österreich geflohen, mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Dem Klischee des Flüchtlings welche  in der Bevölkerung vorherrscht, entspricht auch nicht sein weiterer Werdegang. Gelegenheitsjobs, und gleichzeitig das Studium von Philosophie und Russische Philologie. 2003 bekam er die österreichische Staatsbürgerschaft und lebt heute in Wien.

1968 in Plovdiv einer der ältesten Städte Europas geboren, besuchte er das Bertolt Brecht Gymnasium und entdeckte dort seine Liebe zur Dichtung, schrieb erste Gedichte, maturierte. Bereits in Bulgarien nahm er an ersten  Wettbewerben teil, in Zeiten der kommunistischen Diktatur kein leichtes Leben für einen jungen Autor.

In Österreich erregten seine Werke große Aufmerksamkeit, unter anderem auch beim Burgtheater und mit seinem Roman "Engelszungen" gelang ihm endgültig der Durchbruch. Dinev schreibt Drehbücher, Erzählungen, Theaterstücke und Essays, für seine Werke wurde er mit vielen Preisen ausgezeichnet vom Große Drehbuchförderung des ÖFF (1992) bishin  zum Askeer (bulgarischer "Theater-Oskar") 2007.

Dimitré Dinev im Gespräch mit fm5.at