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postheadericon Der arabische Frühling

 

 

Am 17. Dezember 2010 übergießt  sich der 28 jährige Gemüse- und Obsthändler Mohammed Bouazizi in seiner Heimatstadt Sidi Bouzik, Tunesien mit Benzin und zündet sich selbst an. ALs Protest gegen die Drangsale der Polizei weil er sich weigert Bestechungsgelder zu zahlen. 15 Tage später ist der junge Tunesier tot.

Ein der Welt bis dahin unbekannter junger Familienvater, der eines wollte, für seine Familie zu sorgen. Doch in Tunesien war sein Tod der Anlass für Proteste und Demonstrationen die zum Sturz und zur Flucht von Präsident Ben Ali führten.

Doch wie kam es dazu das, obwohl es schon vorher in Tunesien Demonstrationen gab, diese so überraschend und erfolgreich gegen das Regime waren?

Der Grund war das Internet, Facebook, Twitter und Blogs. Fast 50% der tunesischen Bevölkerung hat Zugang zum Internet.

Die neuen Medien haben bereits seit Juni 2010 über ein anders Opfer der Polizei berichtet, im Nachbarland Ägypten gibt es auf zahlreichen Einträgen in Blogs und andern sozialen Netzwerken, nur ein Thema. Der Tod von Khaled Said. Zu Tode geprügelt, die Bilder des Toten so grausam, so unfassbar, das sie nicht veröffenlticht werden, aus einem Internetcafe in Alexandria auf die Strasse gezehrt von Polizeibeamten, hilfos stirbt er. Dem Regime war es gelungen das Leben des jungen Bloggers auzulöschen aber nicht seine Geschichte aus dem Internet.

39 Tage nachdem in Tunesien sich Mohammed anzündet, rufen in Ägypten die "6.-April Bewegung" und die National Assocation for Change" zum Tag des Zorns auf. Am 25. Jänner 2011 gehen Hundertausende auf die Straße, alte, arme und auch die Mittelschicht, sie zeigen auf, zeigen Mut.

18 Tage des Zorn, der Wut und des Protestes und am Ende muss der Phararo des 21.Jahrhunderts Mubarak abdanken.

 

Der Flächenbrand war entfacht und als nächstes sprang der Funke nach Syrien über. Doch während die Reporter der ausländischen Medien in Tunesien und Ägypten von den Aufständen berichten konnten, aus Syrien kamen nur bruchstückhafte Informationen in die westliche Welt. Ausländische, vor allem westliche Berichterstatter waren unerwünscht, durften nicht ins Land. Mit Informationen versorgt wurden die Korrespodenten der westlichen Medien vor allem von der facebook Seite "Syrian Revolution", (in Beirut), wo die

 

Meldungen, Videos koordiniert wurden. Die Lage im Land selber blieb für viele im Dunkeln, begannen die Proteste in der Grenzstadt Dereaa, an der Grenze zu Jordanien,einem der ärmsten Gebiete Syriens. Doch der endgültige Auslöser für den Flächenbrand war das Vorgehen der Polizei gegen Schulkinder, welche Parolen gegen das Regime, an die Mauern der Häuser sprühten. Als es zu Verhaftungen kam, gingen die Menschen zwischen.

Auch das Land von Dikator Gaddafi, Libyen, wurde vom Flächenbrand nicht verschont. Die Nachrichten der vergangen Tage berichteten von Kampf und Gewalt, vom Aufstand der Opposition. Der Diktator geflüchtet, untergetaucht, die Meldungen überschlugen sich. Zuerst schienen die Machtverhältnisse beim alten zu bleiben, doch die Welle des arabischen Frühlings hat das Land überrollt.

Was trieb die Menschen in den Ländern, die die meisten nur aus den Prospekten der Reiseunternehmer, oder vom Urlaub in luxoriösen Ferienanlagen kenne, dazu auf die Straße und gegen das Regime in ihrem Land zu demonstrieren?

Was werden und sind die Folgen der Proteste, wer sind die neuen Machthaber?  Vor allem wer sind oder waren die Menschen hinter den Fernsehbildern? Diese Fragen beanwortet Jörg Armbruster in seinem vor kurzem erschienem Buch " Der arabische Frühling-  Als die Jugend begann die Welt zu verändern." (Westend Verlag,August 2011).

Der ARD-Auslandskorrespondent erzählt aber auch die Geschichte der arabischen Jugend, die vor allem durch das Internet etwas schafften was keiner für möglich hielt - den Sturz von Machthabern und Diktatoren in der islamischen Welt. Über soziale Netzwerke brachten sie Meldungen, Vorgänge und auch Aufrufe,nicht nur zu ihren Landsleuten, sondern auch in die westliche Welt. Sie schafften damit, das die Welt hinsehen musste, die Vorgänge in den Ländern nicht nur Randberichte, sondern die zentralen Themen der Nachrichten wurden.

Was uns aber in den kurzen Meldungen nicht gezeigt werden, nicht erzählt werden kann, findet hier im Buch Platz. Jene Hintergrundinformationen die zu einem Verstehen der Anliegen der Menschen in vielen arabischen Ländern führt.

Die arabische Welt ist im Umbruch, die Zeiten von Diktatoren scheint Vergangenheit, doch wer kommt, was kommt danach? Wird es freie Wahlen geben, oder wird der Islam, die moslemische Brüderschaft mehr Einfluss in der Regierung bekommen. Oder orientiern sich die Länder nach dem Westen, einem Leben das ihnen auch durch das Internet präsent ist- der Frühling wird zum Sommer, wird er aber auch zum Herbst oder gar zum Winter für die neue Generation?

Ein Korrespondent hat nur wenige Minuten Zeit in der schnelllebigen Zeit der Medien, es bleibt wenig Platz für die Geschichte der Menschen. Der vor allem im Nahen Osten tätige Jörg Armbruster gehört zu jenen, wie Antonia Rados oder auch wie Karim El Gawhary, die uns von den Krisenherden der Welt berichten, am Puls der Geschichte sind, uns von Krieg aber auch von Umbrüchen und Neubeginnen berichten.

Die Rolle des Internet wurde von den gestürzen Präsidenten unterschätzt, aber wir dürfen nicht unterschätzen das der Wandel auch eine Bedeutung für uns in Europa hat.

Jörg Armbruster war Zeuge als Geschichte geschrieben wurde, während seiner Liveschaltung zur Tagesschau  am 11.Februar 2011 wurde der Rücktritt von Mubarak der Menschenmenge vor seinem Balkon bekanntgeben. Die Jubelschreie der Demonstranten gingen um die Welt.

 

Jörg Armbruster

geb 1947 in Tübingen

ARD-Korrespondent für den Nahen Osten mit Sitz in Kairo.

bis 2010 Moderator der Sendung Weltspiegel

Deutsch-Französischen Journalisten-Preis des Saarländischen Rundfunks

Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis gemeinsam mit Armin Stauth für Folter im Namen der Freiheit, (Dokumentation)



 

 

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für den Inhalt verantwortlich Barbara Lechner