Die Blumenkinder von La Mola

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
- Verlag:hansanord Verlag; Auflage: 1. (22. November 2011)
- Sprache: Deutsch
Die Lebensgeschichte zweier Frauen, eine im Jahr 2011, eine im Jahr 1970, eine moderne, erfolgreiche Frau und ein Hippiemädchen.Sie haben nichts gemeinsam, nur beide verschlägt es auf eine Insel. Eva in der Zeit von Flower Power, Love and Peace, auf der Suche nach dem Platz um auszusteigen zu können. Wohngemeinschaften, bunt zusammengewürftel, irgendwie wird man durch das Leben kommen, mit ihr Alex ihr Freund, ebenso ein Blumenkind wie sie. Während Eva aber durchaus erkennt das auch hier Arbeit gefragt ist um zu überleben, taucht Alex ein in eine Welt mit Love and Gras. Jahrzehnte später betritt eine junge Deutsche das erste Mal den Boden der Insel, parallel erzählt die Geschichte, bis sie sich ineinander vereinen.
Eine gemeinsame Verbindung haben sie - Formentera, 82 km² groß, heute nicht mal 10 000 Einwohner, eine Nachbarinsel von Ibiza. Während dort die Partystimmung mit der Reise gleich mitgebucht wird, ist die kleine Schwester ein stilles, verträumtes Inselchen. In der Zeit von Love and Peace, war sie ein Treffpunkt für Hippies, Bob Dylan, Pink Floyd, King Crimson, genossen die warme Sonne des Südens. Dylan soll angeblich sogar mal ein halbes Jahr auf der Hochebene von „La Mola“ gewohnt haben. „La Mola“ der Ort wo Eva die schönste Zeit ihres Lebens verbringen wird, aber auch Momente voller Trauer werden Teil ihrer Erinnerung werden.
Iris ist ein moderne, junge Frau, ihre "Affäre" ist Chefredakteur in der gleichen,angesagten Zeitung. Stars und Sternchen, Gucci und Co gehören zu ihrem Alltag, bis sie eines Tages erkennt das ihre heile Welt nur eine Seifenblase war. Job weg, Freund weg, keine Ahnung was die Zukunft bringen soll, also ab in den Flieger, so der Rat ihres besten Freundes. Doch statt Ibiza landet sie auf Formentera und sie lernt dort die Liebe und das Leben kennen.
Neue Freunde, neue Liebe, Sonne, Meer und Strand, Hierbas und Paella, klingt nach einen wunderbaren kitschigen Sommeroman, wo man nach ein paar Seiten das Ende schon kennt....
Irrtum, großer Irrtum, sehr großer Irrtum. Als erstes sollte man sich nicht vom Cover, das auf dem ersten Blick etwas befremdlich wirkt, Nonne und Meer, keine Kombination auf die man öfters trifft irritieren lassen. Auch das die Geschichte mit der Beichte einer Nonne beginnt ist eine kleine Finte, Pilcherklischee kommt hier keines auf. Die Geschichte geht ihren Weg, bringt für den Leser mehr als die eine oder andere Überraschung, neue Wendungen, nicht vorhersehbar, abwechslungsreich ist der Erzählstil von J.S. Hübel.
Und hier wieder eine Widerlegung so manches Vorurteiles, auch Männer können so feine, einfühlsame Geschichten erzählen, Gelungen verbindet er zwei Handlungsstränge miteinander. Im Jahr 1970 erzählt er die Geschichte von zwei Aussteigern, die von Deutschland nach Spanien flüchten um dort abseits vom gesellschaftlichen Druck, frei und unbeschwert leben zu können. Doch das Leben als Blumenkind hat auch seine Schattenseiten, Geld braucht man immer zum überleben, einfachen Leben, ohne Strom und Komfort auf „La Mola“, ein krasser Gegensatz zu der Geschichte von Iris.
Iris gehört zu jenen Frauen, die es geschafft haben. Ein toller Job um den sie viele beneiden, Freunde, Wohnung und einen Freund, etwas versteckt, es macht ja keinen guten Eindruck wenn man mit dem Chef schläft. Weiss ja keiner, glaubt sie, aber eines Tages bekommt sie aus heiterem Himmel die Rechnung präsentiert.
Nicht nur sicheres Einkommen weg sondern auch der sichere Bettgefährte, Thorsten ihr Freund ist weg, keine Reaktion auf Sms, Telefonanrufe, kein Email,nichts. Verschwunden, abgetaucht, gefeuert wie sie. Dann auf der Insel bekommt ihr Leben eine neue Wendung, neue Menschen treten in ihr Leben, aber auch ihre Mutter hat ihre Geheimnisse, der Schlüssel dazu liegt aber in den Händen einer Nonne, einer Nonne die im Sterben liegt.....
J.S. Hübel erzählt nicht nur die Geschichte von zwei verschiedenen Frauen, sondern lässt uns auch eintauchen in eine Zeit die zwar lange vorbei ist, aber ihre Spuren auf der Insel hinterlassen hat. Das Fonda Pepe, der Hippiemarkt, sie sind mittlerweile Kult, waren 1970 da und sind es noch heute.
Verbindet ein einfühlsamer Schreiber die Geschichte von zwei Frauen mit anderen Personen so wechselt sich romantische Liebesgeschichte, Lebenserzählung mit Familiendrama ab. Nicht nur auf Iris und Eva hat sich Jens-Stefan Hübel konzentriert, auch die Nebenfiguren sind einfach nur perfekt modelliert. Patrick der homosexuelle Friseur, der die beste Freundin von Iris ist, oder ihre Reisebekanntschaft oder aber Javier, der stille im Hintergrund, immer für Eva bereite Freund und Helfer, sie sind aus dem Leben gegriffen, nicht überzogen, realistisch wie das alltägliche Leben. Genau das zeichnet einen guten Roman aus, seine Glaubwürdigkeit, nicht auf jeder Seite Herz-und Schmerz, die Rosenromantik ist zwar am Valentinstag gerne gesehen, aber zuviel rosarot tut keinem Roman gut. Die richtige Prise zum Darüberstreuen hat der Autor gerade in der richtigen Dosierung erwischt, es ist hier wie beim Salz in der Suppe, versalzen ist sie schnell.....
Es macht neugierig zu wissen ob Hübel die Hippiezeit auch auf dieser Insel miterlebt hat, so lebendig lässt er die Jahre vor einem auferstehen und bringt sie zurück in die Gegenwart. Orte, Handlungen und Personen sind perfekt beschrieben und auch mit Liebe zu Einzelheiten, man sieht direkt wie Alex sich mit ihrem Fahrrad abmüht um auf die Hocheben zu kommen, die Farben und die Atmosphäre des Marktes, den Duft des Meeres oder spürt einfach nur den Zauber dem Iris rettungslos verfällt.
Ein Roman der den Sommer nicht nur in die Wohnung zaubert sondern mit seiner Poesie die Sonne in das Herz bringt, lesen, eintauche, abtauchen in die Geschichte, wegfliegen in den Süden und am Schluss sagen: „ Ein wunderbarer Roman.
Der Autor :

Jens-Stefan Hübel, gelernter Verlagskaufmann und gebürtiger Hamburger, hat sich nach einer kurzen Zeit im kaufmännischen Bereich schnell für die kreative Seite der Medien entschieden und nach einem Volontariat den Berufsweg des Redakteurs eingeschlagen. Nach Stationen bei „petra“, „Gala“, und „BRAVO“, war er viele Jahre als Autor für die erfolgreichen Magazine „InStyle“ und „BUNTE“ tätig. In dieser Zeit hat er fast alle großen nationalen und internationalen Stars getroffen, interviewt und so viele aufschlussreiche Einblicke in die Welt und das Leben der Celebrities gewonnen.
(mit freundlicher Genehmigung hansanord Verlag)
wer passend zum Roman etwas Musik sucht: auf you tube findet man die im Roman vorkommende Gruppe La Oreja de Van Gogh

