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Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

 

 

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

 

Die Kurzfassung:

" Ein Roman  stürmt die Bestellerlisten mit einer Geschichte die auf den ersten Blick etwas langweilig klingt. Ein Mann bekommt einen Brief, will antworten und geht dann „spazieren“.  So könnte man die Kurzfassung schreiben und damit wäre eigentlich die Handlung komplett zusammengefasst, ja wenn, ja wenn es sich nicht um Mr. Harold Fry handeln würde."

Mr. Fry ist in der Pension, seine Ehe besteht aus einem Nebeneinander statt einem Miteinander, der Alltag, grau und öde, jeder Tag gleicht dem anderen.  Eines Tages erhält Harold einen Brief, einen Brief aus der Vergangenheit.  Nicht viel enthält er, nur die Botschaft „ Ich habe Krebs, ich werde sterben….“  Absender ist eine ehemalige Arbeitskollegin von Harold, die mit ihm in der Brauerei beschäftigt war. In seiner Erinnerung eine Dame in Kostüm mit Handtasche, immer korrekt, nur eine Kollegin in der Männerwelt der Brauerei.

Was macht man wenn so ein Brief ins Haus flattert? Man versucht zu antworten, nichtsagende Floskeln, hingeschrieben ohne nachzudenken, was sagt man da- gute Besserung zu wünschen wäre wohl nicht angebracht.  So ein Brief, altmodisch klingend in der Zeit des regen Mailverkehrs zwischen den Postfächern des Webs, gehört in einen Briefkasten. Nur Harold wirft ihn nicht ein, er geht weiter… einfach so wie er das Haus verlassen hat. Zuerst ohne Plan, bis er jemanden trifft der ihm einen Gedanken in den Kopf setzt, nicht einfach abstempeln lassen , sondern persönlich will er ihn  zu der Sterbenden bringen, Wiedersehen nach langer Zeit und Abschied nehmen für immer, das kann man nicht einfach so, so kalt und distanziert wie sein Leben verläuft , das kann man nur mit Nähe und der eigenen Gegenwart.

»Ich bin auf dem Weg. Du musst nur durchhalten. Ich werde Dich retten, Du wirst schon sehen. Ich werde laufen, und Du wirst leben.« Das ist die Botschaft die Harold an Queenie Hennessy ausrichten lässt, er ist  auf dem Weg von Südengland bis an die schottische Grenze, 87 Tage, 1000 Kilometer.

 

Ein alter Mann zu Fuß quer durch die Insel, keine Wanderausrüstung, Segelschuhe an den Füßen, ohne Rucksack, ohne Plan, ohne seiner Frau Maureen Bescheid zu geben.

Maureen ist verbittert, von dem Zeitpungkt an als ihr einziger Sohn David das Haus verlassen hat, sperren nicht nur die Gardinen die Blicke der Nachbarn aus, sondern auch gleichzeitig sie selbst von der Umwelt.  Keinen Sinn mehr im Leben,  ständige Vorwürfe an ihren Mann,  getrennte Schlafzimmer da sie die Nähe von Harold nicht mehr ertragen kann, keine Liebe nur noch Verbitterung und Hass, beide sind gefangen in einer Welt ohne Gefühle,  starr  verharren sie im Leben,  gepeinigt von der Erinnerung.

Langsam wird Maureen ungeduldig,  für den Weg zum Briefkasten alleine braucht Harold zu lange,  sie beginnt sich Sorgen zu machen, bis Harold sich meldet, per Telefon und ihr seinen Plan erklärt, alles andere als begeistert ist sie, hält ihn für krank, für verrückt, für verwirrt, ach wäre doch David hier, sie muss ihn anrufen, mit ihm alles bereden…

Geht man alleine spazieren, wandern oder nur eine kurze Strecke, was macht man? Man denkt, man denkt nach, lässt die Gedanken schweifen,  in die Vergangenheit, in die Gegenwart, in die Zukunft. Nur nehmen sie ihren eigenen Weg, sie bringen auch all das was man am liebsten vergessen würde  wieder einem in Erinnerung. So wird Harold nicht nur von schmerzenden Füßen, Blasen, Muskelkrämpfen, sondern auch von den Gedanken seines Lebens begleitet.

Hier ist es was dem Buch den Tiefgang verleiht, der es so einzigartig macht, Harold Fry ist ein alter Mann, ein Handelsvertreter, abgeschoben in den Ruhestand, der uns teilhaben lässt an seinen Gedanken.  Ein Leben  das einfach nur ein  Leben war, mit Liebe aber auch mit vielen dunklen Stellen.

Zu viel Dunkelheit, Wut und Kälte, gefangen durch die Sprachlosigkeit ihrer Ehe hat sie das Leben verbittert gemacht, dies  müssen beide erkennen, für beide ein schmerzlicher Weg, Gedanken die schmerzen will keiner zulassen, aber sie brechen durch und fordern ihren Tribut.

Maureen und Harold müssen beider lernen das die Vergangenheit nicht immer so ist wie man glaubt dass sie war, das es Zukunft und Hoffnung gibt.

Rachel Joyce erzählt ein Märchen, ein Märchen wo  der Prinz, alt und gebeugt ist, auf seinem Weg viele Menschen kennenlernt, von ihnen Hilfe und Rat erfährt, aber auch beides zurückgibt,  am Ende wartet die Prinzessin, doch bis zum Happy End muss der Prinz die Drachen besiegen- die Drachen der Vergangenheit.

Ich habe das Buch erhalten vom S. Fischer Verlag im Rahmen einer Aktion,  so wie das Harold wandert so soll das Buch wandern,  meines wanderte quer durch Österreich, vom Burgenland nach Vorarlberg, von dort nach Italien und dann…. Vielleicht wird es eines Tages wieder bei mir landen, gespickt mit Notizen von Menschen die ich nicht kenne, die aber den Weg des Buches begleitet haben, so wie Harold von Menschen die er nicht kennt in seiner Geschichte begleitet wird.

Ein Buch ohne Action, ohne Morde, ohne Sensationen, das kann fesseln, einfach nur durch die Geschichte von Harold und Maureen. Der Brief ist ein Auslöser für vieles, traurig macht es zu wissen, was passiert wäre ohne diese Nachricht.  Das Buch ist ungewöhnlich, es sticht aus der Masse der Thriller, Liebesromane,  wohlgemeinten Ratgeber heraus,  es bietet aber mehr.  Die Erkenntnis das die Vergangenheit oft nicht so ist wie man glaubt das sie war, das man auch sie sich zurechtschnitzen kann,  das verpasste Gelegenheiten die man nicht wahrgenommen hat oft nicht so unwiederbringlich sind wie man zu glauben scheint, dass man die Vergangenheit nicht ändern, aber die Blätter der Zukunft neu beschreiben kann das ist etwas das bewegt, zum Nachdenke einlädt. Vor allem über eines- nicht der Vergangenheit nachtrauern, sich ständig fragen, was wäre wenn, sondern sich freuen, sich darauf freuen jeden Tag neu erleben zu können, nicht  nebeneinander, sondern miteinander zu leben.

"Wenn wir nicht ab und zu was Verrücktes tun, können wir uns gleich begraben lassen." Seite 45

 

Zur Leseprobe

 

Foto: Fatimah Namdar

Rachel Joyce weiß, wie man Menschen mit Worten ganz direkt berührt. Die Autorin hat über 20 Original-Hörspiele für die BBC verfasst und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Daneben hat sie Stoffe fürs Fernsehen bearbeitet und auch selbst als Schauspielerin für Theater und Film gearbeitet. ›Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry‹ ist ihr erster Roman. Er erscheint in über 30 Ländern auf der ganzen Welt. Rachel Joyce lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Gloucestershire auf dem Land. (Verlagstext copyrigt. http://www.fischerverlage.de)

 

Die Reise der Bücher kann hier auf Facebook verfolgt werden, www.facebook.com/HaroldFry

 

 

Eine Interaktive Schnupper-App zum Buch gibt es auf der Verlagseite hier- sie ist empfehlenswert, neben Landkarte, Buchtrailer gibts noch einiges mehr