Buchpräsentationen-Lesungen
Du blutest, Du blutest

- Gebundene Ausgabe: 118 Seiten
- Verlag: Residenz; Auflage: 1 (Februar 2011)
Brutal und gewaltig, aber nicht nur im Inhalt sondern auch im Schreibstil. Eine fiktive Stadt, eine fiktive Zukunftsperspektive oder die Realität von gestern oder morgen?
Das Buch hinterlässt viele Fragen, es beschäftigt einen, blättert man die ersten Seiten auf, nimmt es einen in Geiselhaft, man möchte es weglegen, versperren, nie wieder öffnen. Doch es lässt einen nicht los. entschwindet nicht aus den Gedanken, hat sich festgekrallt. Brutalität, hervorgerufen durch Brutalität, Willkür oder nur Phantasie? Ein einzelnen Schicksal oder kollektiver Wahnsinn? Falkner gibt uns nur die Handlungsstränge vor, einem Regisseur gleich gibt sie Anweisungen, der Rest entsteht in der Gedankenwelt des Lesers. Anführer, Verfolgte, ein Kind das aus Leichenteilen Menschenpuppen bastelt, Zahlenfolgen, Aufzählungen die in Trance setzen, einem nicht aus dem Kopf gehen. Militarismus statt Menschlichkeit, harter Rhythmus in den Worten, ein stetiges Stakkato der Wörter. Kurze Sätze, beschränkt auf das Wesentliche. Die Handlung rund um Ivan, ein Kind oder ist er ein Monster, ein Anarchist oder ein Mörder? Mit Rückblicken in alltägliche Situationen aus kindlicher Sicht wird nur andeutet was vorher war, das nachher ist ein Grauen. Mord, Folter, Terror, ausgeübt von Kindern, gerächt von den Erwachsenen. Der Roman ist eine Perfomance, ein Hauptakteuer erzählt, im Hintergrund die Statisten, sie kommen nur ausgewählt zu Wort, der Scheinwerfer bleibt auf Ivan gerichtet.
"Du blutest, Du blutest" ist moderne Literatur, die sich dem althergebrachten abwendet, Lyrik als Poesie verwendet, und Poesie in einen Roman verpackt. Sicher ein Buch das einiges vom Leser abverlangt, obwohl es zart und schmal ist, gerade mal 118 Seiten, braucht es einige Zeit um das Gelesene zu verarbeiten. Falkner wirft den Ball dem Leser zu, aber sie weicht aus wenn er zurückgeworfen wird, aus einer neuen Ecke kommt wieder mit voller Kraft in den Worten ein Wurf auf den Leser zu. Zeit verliert sich in den Worten, dauert die Geschichte Jahre oder nur Monate, was wird aus den Kindern- aus Ivan, werden sie des Lebens überdrüssig, geben sie auf, verschwinden sie im Nichts? Oder kommen sie zurück- irgendwann- unterwartet, nachts? Denn sie sind die Gang.
Michaela Falkner
1970 geboren in Kollerschlag
Promovierte in politischer Psychologie (zum Thema verbale Konstrukte). S
Seit 2005 Literatur- und Kunstprojekte: Bücher und Manifeste; Performance, Installation, Interventonistische Kunst. Zuletzt erschienen: "A Fucking Masterpiece" (2005), "Falkner II" (2006), "Kaltschweißattacken" (2009)
