Erich Fried Preis 2014 für Judith Hermann

“Ich freue mich, den diesjährigen Erich-Fried-Preis an Judith Hermann für ihr Schaffen, für ihre erzählerische Kraft und Meisterschaft überreichen zu dürfen”, sagte Bundesminister Josef Ostermayer bei der Verleihung der Auszeichnung im Literaturhaus in Wien.
IMG1 Detlev Rünger, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Österreich, freute sich, dass der Preis an Judith Hermann, “eine der bekanntesten Schriftstellerinnen Deutschlands”, ging. Er betonte in seinen Worten zudem die enge Verbindung zwischen Deutschland und Österreich. Erich Fried spiegle diese Verbindung im Guten wie im Bösen wider.

Walter Hinderer, Präsidiumsmitglied der Internationalen Erich-Fried-Gesellschaft, beschrieb in seinen Begrüßungsworten die alleinige Jurorin Monika Maron als geistreiche Erzählerin. Die deutsche Autorin und Essayistin hätte sich ohne zu zaudern auf diese verantwortungsvolle Aufgabe eingelassen. In diesem Zusammenhang käme Maron auch entgegen, dass ihr “niemals die Fähigkeit abhandengekommen ist, etwas zu denken oder zu sprechen”. Auch Bundesminister Ostermayer würdigte die Verantwortung der Solojurorin: “Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, die Entscheidung einer einzelnen Person zu übertragen und zu überlassen.”

Jurorin Monika Maron widmete sich in ihrer Laudatio dem Schaffen der Preisträgerin Judith Herrmann. Vor 16 Jahren hätte sie mit ihrem ersten Buch “Sommerhaus, später” sowohl Literaturkritiker als auch ihre Leser in einen Rausch versetzt, obwohl es sich um eine Erzählung, das “literarische Stiefkind”, und nicht um einen Roman gehandelt hätte. Judith Hermanns Protagonisten seien getrieben von einer “Sehnsucht, die ihren Gegenstand nicht kennt”, und in Erwartung, “irgendein Tag oder Geschehnis würde den Weg weisen”. Desillusion und zugleich große Sehnsucht würden unsere Generation einen. Die Kunst Judith Hermanns sei es, “Momente zu fixieren und ihnen literarische Gestalt zu geben”.
Die in Berlin geborene Preisträgerin Judith Hermann bedankte sich in ihrer Rede für den Preis. Sie hätte sich nach langer Zeit wieder mit dem “in jeglicher Hinsicht politischen” Schriftsteller Erich Fried und seiner von Vertreibung und Krieg geprägten Lebensgeschichte, die untrennbar mit seinem literarischen Schaffen verknüpft ist, beschäftigt. Sie selbst habe im Zuge dessen erkannt: “Ich schreibe, um das Einzelne im Text zu verstecken und in Sicherheit zu bringen”, um festzustellen, in einer unglaubhaften Wirklichkeit zu leben. In ebendieser müsse alles mit allem zusammenhängen.

Die Erich-Fried-Gesellschaft wurde genau ein Jahr nach dem Tod Erich Frieds im Jahr 1989 gegründet und ist bis heute ein Dreiländerprojekt, in dem die deutschsprachige Literatur in Deutschland, der Schweiz und Österreich Sitz und Stimme hat. Seit ihrer Gründung versammelt sie einige der wichtigsten und bedeutendsten Schriftsteller unter einem Dach. In ihrem Präsidium sitzen zurzeit unter anderem Ilse Aichinger, Elfriede Jelinek, Adolf Muschg, Christoph Hein und Friederike Mayröcker.

Der mit 15.000 Euro dotierte Erich-Fried-Preis wird seit 1990 durch die Internationale Erich-Fried-Gesellschaft für Literatur und Sprache vergeben und von der Sektion Kunst im Bundeskanzleramt gestiftet. Der Preis wird auf Vorschlag einer jährlich wechselnden, autonom entscheidenden Jurorin oder eines Jurors vergeben.

Judith Hermann wurde 1970 in Berlin geboren, wo sie heute lebt und schreibt. 1998 erschien ihr erstes Buch »Sommerhaus, später«, das zu einem Bestseller wurde. »Judith Hermann erzeugt einen Sound, nach dem man süchtig werden kann.« (Franziska Wolffheim, Brigitte). 2003 erschien der Erzählungsband »Nichts als Gespenster«, der 2007 für das deutsche Kino verfilmt wurde. 2009 folgte »Alice«, das die Kritik als ihr bestes Buch feierte und das auch international große Aufmerksamkeit fand. Im Herbst 2014 erschien der erste Roman der Autorin, >Aller Liebe Anfang<. Ihr Werk wurde mit zahlreichen literarischen Preisen ausgezeichnet. »Die Prosa von Judith Hermann gehört zum Wichtigsten, was die deutsche Literatur unserer Jahre zu bieten hat.« (Marcel Reich-Ranicki). [huge_it_share id="1"]

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