Auf den Spuren des Udo Proksch: Der Zuckerbäcker, der eine ganze Republik verführte

 

 

Auf den Spuren des Udo Proksch:

Der Zuckerbäcker, der eine ganze Republik verführte

Ingrid Thurnher

mit zahlreichen Abbildungen von Orginaldokumenten

Gebundene Ausgabe: 272 Seiten

  • Verlag: Ecowin Verlag; Auflage: 1., Aufl. (18. März 2011)

 

Kennen Sie Serge Kirchofer ? Nein? Noch nie gehört? Ein österreichischer Designer, unter anderem auch verantwortlich für das Design der Carrera Sportbrillen, ausgezeichnet 1956 mit dem italienischen Modepreis für Entwürfe für Druckstoffe. Der Name sagt Ihnen noch immer nichts, auch  nicht wenn eine Person mit diesem Namen ab 1972 als Einzelprotokurist der k. u. k. Hofzuckerbäckerei Demel aufscheint? Noch nimmer keine Ahnung- sagt Ihnen der Fall Lucona etwas? Ah, jetzt kommt ein Name zum Vorschein- ja genau, Udo Proksch. Hinter dem äußert erfolgreichen Designer steckt niemand anderer als jene schillernder Gestalt, jener österreichischer Napoleon , der für einen der längsten Prozesse in der österreichischen Geschichte verantwortlich war.

Lucona, ein Schiff das für Schlagzeilen sorgte, ein Schiff mit einer Uranerzaufbereitungsanlage an Bord, versinkt am 23. Jänner 1977 im indischen Ozean. Um 212 Millionen Schilling  (ca. 15, Mio. €), war das  Schiff samt Ladung bei der Bundesländer Versicherung versichert. Schon bald kommt bei dieser der Verdacht auf, hier sei etwas faul im Reich des Udo Proksch. Der Wert und der tatsächliche Inhalt der Ladung wird angezweifelt, zu recht wie es sich später herausstellt. Die nachfolgenden Aufdeckungen führten zu  einem der größten Politskandale der zweiten Republik. Rund 16 Juristen, Politiker und Beamte wurden susbentiet, angeklagt oder auch verurteilt. Darunter waren auch politische Größen wie Karl Blecha (SPÖ, der als Innenminister zurücktrat, ebenso wie der Nationalratspästident Leopold Gratz (SPÖ) und Verteidigungsminister Karl Lütgendorf (parteilos von Bruno Kreisky in die SPÖ-Alleinregierung berufen). Bei der Explosion des Schiffes kamen sechs der zwölf Besatzungsmitglieder ums Leben. Gechartert wurde das Schiff von Udo Proksch, der Empfänger der Ladung war ein Strohmann von  ihm. 1985 werden Proksch und Daimler zum ersten Mal verhaftet, doch Leopold Gratz (zu dieser Zeit Außenminister, später Nationalratspräsident), erklärt dem Gericht die Ladung des Frachters gesehen zu haben, beide werden enthaftet, 1986 nochmals verhaftet, nach vier  Tagen entlassen und tauchen unter. Fast 10.000 Seiten umfassen die Ergebnisse des parlamentarischen  Untersuchungsausschusses. Nach einem Prozess, in dessen Folge auch das Wrack des Schiffes gefunden wurde, wird  Udo Proksch 1992 des sechsfachen Mordes für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt.

Doch wer war der Mann wirklich, wer verbirgt sich  hinter dem Enfant terrible der österreichischen Gesellschaft wirklich? War Udo Proksch grössenwahnsinng, ein Genie oder nur ein Mann mit viel Charisma, jemand der es verstand die Mächtigen und Einflussreichen für sich einzunehmen?

Ingrid Thurner hat sich auf die Suche nach dem wahren Gesicht dieses Mannes begeben. Nach der Lektüre des Buches wird eines klar, Rudolf  “Udo”Proksch war eine außergewöhnliche Person. Aufgewachsen in einem nationalsozialistischen Elternhaus entwickelte er sich zu einem Menschen mit vielen Gesichtern und Facetten. Noch während des Krieges in Lend mit seiner Familie gestrandet, wächst er hier auf, lernt die Landwirtschaft kennen,  das harte Leben als Hilfarbeiter in einer Aluminium-Gießerei in Lend, oder als Bergarbeiter geht er seinen  Weg  bis zu einem entscheidenden Wendepunkt – dem Eintritt in die Akademie für angewandte Kunst in Wien.

Als Brillen Designer ist er bald eine Berühmtheit, Berühmtheiten tragen seine Entwürfe und der Aufstieg von Udo Proksch beginnt unaufhaltsam. Thurner folgt seinen Spuren, die in immer höhere, mächtigere Kreise führen, Kultur oder Politik, er gehört dazu. Vom einfachen Arbeiterkind bis zu einem Mann eines tages der Politiker mit in den Abgrund reißt. Besonders durch die Originaldokumente aus Proksch Leben kommt ein 3 D Effekt in das Buch, das Leben dieses Mannes wird plastisch, greifbar, nachvollziehbar.

Während seiner kometenhaften Aufstieges, seiner Zeit als Besitzer des Demels, umschwärmte man ihn wie Motten das Licht, doch als sein Stern zu sinken begann wurde er fallen gelassen, aus Angst mit hinabgerissen zu werden. Heute wollen viele mit ihm nicht mehr in einem Atemzug genannt werden, wollen nie zu seinem Freundeskreis gezählt haben.

Das Buch “Auf den Spuren Udo Proksch” ist nicht nur eine Biographie einer schillernden Figur, sondern auch eine Reise in die politische Geschichte der letzten Jahrzehnte. Wie Till Eulenspiegel führte er Politiker an der Nase herum, schuf sich sein eigenes Weltbild mit sich als Sonnenkönig in der Mitte, aber er musste schließendlich sich doch dem Sprichwort beugen “Hochmut kommt vor dem Fall”. Am Ende war er alleine, von allen im Stich gelassen, einem Aussätzigen gleich gemieden. Die Frage was wäre aus ihm geworden, ohne die “Lucona” ohne diese wahnwitzige Idee, bleibt leider unbeantwortet. So bleibt  er nur in Erinnerung als der Mann, der  für den Tod von sechs Seeleuten verantwortlich war, aber Ingrid Thurnher zeigt uns mehr, mehr von allen Seiten des Lebens von Udo Proksch, sie schafft dadurch ein wunderbares Portrait eines Mannes, der wahrlich in seiner Art und Lebensweise  einzigartig in Österreich war. Viele Fragen wird er uns nie beantworten können, Udo Proksch starb 2011 an den Folgen einer Herztransplantion in Haft.

Ingrid Thurnher, MBA, war von 1991 bis 1994 bei der ORF-Radio-Innenpolitik tätig und präsentierte anschließend 13 Jahre die „Zeit im Bild 2“, das meistgesehene Nachrichtenmagazin Österreichs. Heute moderiert sie die ORF-Diskussionssendungen „Im Zentrum“ und „Runder Tisch“ sowie die „Sommergespräche“. Ingrid Thurnher erhielt bereits sieben Mal den TV-Publikumspreis „Romy“ als „beliebteste Moderatorin“.

„Ingrid Thurnher setzt Maßstäbe. Die Moderatorin der ‚Zeit im Bild 2‘, des meistgesehenen Nachrichtenmagazins des Österreichischen Rundfunks, ist das Aushängeschild (…). Ob Bundespräsident, Minister, Landeshauptmann oder Parteivorsitzender – vor der Thurnher sind alle gleich.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

 

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