Der brennende Geschmack der Freiheit

 

  • Taschenbuch: 227 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 3 (27. Juni 2005)

 

Reza Hajatpour ist auf der Suche, auf der Suche nach Antworten, auf der Suche nach der Bestimmung und auf der Suche nach seinem Platz im Leben, aber auch auf der Suche nach dem Glauben. Er erzählt von seinem Weg, einem Weg der damit beginnt das er zuerst nur eines weiß, er will kein Beamter werden. Nicht die Familientradition fortsetzen, nicht oberflächlich sein. Aber auch aus dem Grund, da der Halbwaise zusammen mit seiner Mutter im Haus seines Onkels aufwächst, aber nicht als gleichwertiges Mitglied, sondern auf der Rangstufe der Dienstboten. Ein Schüler der keine Schwierigkeiten in der Schule hat, jedoch einiges von seinen Lehrern fordert, vor allem das Wissen nach mehr, bringt ihn zu den Schriften von Dr.Ali Schariati. (iranischer Revolutionär und Religionssoziologe 1933-1977). Zu diesem Zeitpunkt, die Geschichte beginnt vor der Revolution, lernt er den Buchhändler kennen, der ihm diese Bücher besorgt und so zu einem Wegbegleiter des damals 18-jährigen wird. Hajatpour hat den Wunsch die geistliche Laufbahn einzuschlagen, ein Mullah zu werden., ein islamischer Geistlicher. Im Gegensatz zu den christlichen Glaubensrichtungen beginnt der Unterricht, die Unterweisung, nicht mit dem Eintritt in eine Schule, oder Universität, sondern der junge Mann beginnt seine Studien bei einem Mullah der Gemeinde. Hier beginnt seine Reise in eine Welt wo Logik, das Denkens und das Nachdenkens über geistliche Fragen, Fragen über das Leben und den Islam und dessen Auslegung den Alltag beherrschen. Reza Hajatpour erzählt von seinem Leben, von seinen Mentoren, seinen Freunden, seiner Familie und auch von seinem Zugang zum Islam, seinem Leben im Religionszentrum Ghom.

Der Weg vom Schüler zum Lehrer selbst, zum Mullah,zum Direktor und Dozenten, ist kein leichter. Er ist geprägt von der Erkenntnis das manche Menschen andere nur benutzen um selbst einen Vorteil zu erhaschen, möge er auch noch so klein sein. Manchmal geht er drei Schritte vorwärts um dann kurze Zeit später gezwungen zu werden, zehn rückwärts zu gehen. Setzt er große Hoffnung in seine Heirat, muss er erkennen das er hier getäuscht wurde, das nicht alles so ist wie es zu schein scheint.


 

Gleichzeitig erzählt er vom Beginn der Revolution, welchen Einschnitt diese auch in seinen Werdegang als Mullah bringt, hier bewahrt er eine Distanz, gibt der Historie nur eine Randposition, lässt sie nur in den Vordergrund tretet wenn sie seinen Weg in eine neue Richtung drängt, obwohl er am Beginn glaubt sie sei die einzige Möglichkeit im Iran vieles zu verändern. Seine heimliche, zweite Heirat, er landet vor dem Revolutinosgericht durch das Misstrauen seiner Freunde und die Zeit des Iran-Irakkrieges, den er überlebt, sein Leben nimmt einen anderen Lauf als er es sich je gedacht, erträumt hatte, mancher geht an der Zerstörung seiner Träume zugrunde, andere aber wie Hajatpour reifen daran.

Die politischen Aspekte der Geschichte, der biografischen Erzählung, möchte ich hier beiseite lassen. Ich möchte mich vielmehr hier darauf konzentrieren wie klar und nüchtern jemand seinen Weg und auch sein Beweggründe erklärt.

„Der brennende Geschmack der Freiheit“, endet damit wie das Flugzeug den Flughafen in Teheran verlässt. Es ist nicht eine Flucht sondern eher ein Aufbruch um Neues zu entdecken, Neues für den Geist, Neues um frei zu sein.

Vor allem wie er versucht ohne politische Haltung zu beziehen als Mullah im Iran zu leben, versucht den Schwierigkeiten , zuerst unter dem Schahregime, danach während der Kinderstube der Islamischen Republik, zu entgehen, weil er nur in der geistlichen Welt der Mullahs leben will, machen die Geschichte für den Leser greifbar. Er schreibt offen über die Zweifel und Widersprüche die ihn beschäftigen und ihn so manches überdenken lassen. Reza Hajatpour beschränkt sich rein auf die Auswirkungen auf seine vorwiegend geistliche Welt, den Alltag, das Alltagsleben außerhalb der theologischen Universitäten und Moscheen größtenteils ausschließt, gewährt er dem Leser einen interessanten, vor allem auch neuen Einblick in eine fremde Kultur.

Es ist kein Buch das man einfach nur lesen kann oder sollte, das hohe Niveau der Sprache fordert einen auf sich auf die Geschichte einzulassen. Klischeedenken hat ebenfalls keinen Platz, der Leser sollte vielmehr bereit sein sich nicht nur einer fremden Kultur sondern auch einer uns fremden Denkweise zu öffnen. Vielmehr zeigt der Autor mit seiner Geschichte, das man wenn man auch gleich wie andere ist, man doch oft nicht gleich genug ist, das es oft schwer ist die Grenzen zu ziehen, um sich selbst abzugrenzen vor Vorgängen die man ignorieren möchte. In jedem Glauben gibt es solche die im Glauben leben, aber auch solche die ihn nur benutzen, die den Sinn der darin liegt an etwas Höheres zu glauben vergessen, sich auf eine höhere Stufe stellen wollen, oder aber solche die erkennen müssen, das ihr Weg eine Kreuzung erreicht hat, wo es notwendig ist für seinen Glauben, seine Überzeugung , alles neu zu überdenken und man offen für einen Neubeginn sein muss.

„Der brennende Geschmack der Freiheit“ ist bereits 2005 in der edition suhrkamp erschienen, Pd Dr. Reza Hajatpour ist heute als Privatdozent tätig.

Sein zweites Buch “Tage der Liebe, im Schatten der Erinnerung” ist bei Edition Hamouda (Sept.2011) erschienen

 

 

PD Dr. Reza Hajatpour

 

,geboren 1958 im Iran

Juni 1978-1985  Studium an der theologischen Hochschule in Ghom/Iran

Juni 1985  Direktor und Dozent an einer theologischen Hochschule im Iran

Januar 1986  Einreise in die Bundesrepublik Deutschland; Antrag auf politisches Asyl

WS 1990 – SS 1996 Studium an der Universität Heidelberg: Islamwissenschaft (HF), Philosophie (NF), Politikwissenschaft (NF), Auslandsstudium über zwei Semester an der Amerikanischen Universität in Kairo (AUC).

Magister Artium in Islamwissenschaft,  Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung

Wiss. Mitarbeiter an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Orientalistik

Juli 2000  Promotion an der Universität Bamberg in den Fächern Iranistik (HF), Philosophie (NF), Politikwissenschaft (NF), Doktorvater: Prof. Dr. Fragner

17. Nov. 2000  Förderpreis 2000 der Otto-Friedrich-Universität Bamberg für die Dissertation

Seit 1.11.2002  Wiss. Mitarbeiter (Assistent) am Lehrstuhl für Iranistik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

2009 Habilitation an der Universität Bamberg

heute Privatdozent

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