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postheadericon Gerechtigkeit siegt, aber nur im Film

 

  • Gebundene Ausgabe: 226 Seiten
  • Verlag: Ecowin Verlag; Auflage: 2., Aufl.

 

Ich habe mich lange um diese Rezension gedrückt, bin um sie herumgeschlichen wie die Katze um dem heißen Brei, da ich es nicht wahrhaben wollte, das der Autor recht hat. Recht in seiner These, seiner Behauptung, die Gerechtigkeit gibt es nicht wie wir sie uns wünschen.

Nun dazu eine kleine Geschichte: Bei uns brütet ein Vogelpaar, zuerst gemeinsam ein Nest gebaut, hoch oben, gut versteckt. Für uns unbemerkt, bis das erste Gezwitscher neues Leben ankündigte. Tag ein Tag aus flogen nun beide Vogeleltern emsig aus und ein, die kleinen zarten Schnäbel immer voll mit Leckerein um die hungrigen Mäuler zu stopfen. Eine mühselige Arbeit, sicherlich, aber unermüdlich folgten sie ihrem Instinkt ihren Nachwuchs zu versorgen, ihn füttern. Seit gestern fliegt nur noch ein Elternteil, der zweite wurde Opfer eines Katers, meines Katers...... Warum lauert dieses Raubtier einem armen kleinen Vogel auf, obwohl es mit all den Verlockungen der Tiernahrung gefüttert wird, wäre es nicht gerechter es würde, wenn überhaupt warten bis der Nachwuchs sich selbst versorgen kann? Nein,  weil es keine Gerechtigkeit in der Natur gibt. Genauso wenig gibt es Gerechtigkeit bei uns Menschen. Es ist nur ein Wunschgedanke, eine unerfüllte Sehnsucht der Menschen.  Ja, Herr Dr. Taschner, sie haben recht, ich gebe ihnen Recht. Die Gerechtigkeit siegt nur im Film, nur in der Hoffnung und den Träumen der Menschen. Sich darauf zu verlassen das alles gerecht verteilt wird, jeder gleich  von Schicksal mit Macht und Erfolg bedacht wird, ist ein Irrglaube, nur der Mensch selbst ist dafür verantwortlich wie sein Leben abläuft.  Abolute Gerechtigkeit gibt es keine.

 

Univ. Prof. Dr. Taschler, schreibt hier, obwohl er Mathematiker und Physiker ist, oder auch gerade  deswegen keine wissenschaftliche Abhandlung über die "iustitia", die Gerechtigkeit, sondern er wendet sich in seinem Essay mehr Platon zu, der bereits erkannte, die Gerechtigkeit ist eine innere Einstellung des Menschen, in seinem Hauptwerk "Politeia"  stellte er sie in der Antike bereits  in den Mittelpunkt. Wie Taschner fragt er nicht was gerecht ist, sondern was Gerechtigkeit  für jeden einzelnen darstelle. Ist es gerecht, wenn jeder das bekommt was er verdient, wer bestimmt oder entscheidet dies? Der Staat, das Umfeld, die Mitmenschen oder jeder einzelne, oder bekommt nur der seinen gerechten Anteil der sich an die Spielregeln des Lebens hält?. Wie sehen wir die Gerechtigkeit, jeder mit anderen Augen, jeder lebt im Alltag in seiner Höhle, wie Platon in Höhlengleichnis anmerkt.  Rudolf Taschner bringt uns diese Erkenntnis die Platon bereits in der Antike erkannte wieder näher, die Gerechtigkeit ist eine Einstellung zum Leben, die von uns selbst bestimmt wird, was für den einen gerecht ist besteht für den anderen ungerecht. Sie lässt sich nicht planen, niemand kann bestimmen wie unser Leben, unsere Versorgung durch den Staat, Marktwirtschaft sowie die Gesellschaft sich entwickeln wird. Auch noch ein  so ein gerechtes Verteilen, ein gleich großes Stück Kuchen für alle, was nützt es, wenn etwas nicht planbares, unvorhersehbares den Kuchen vom Tisch fallen lässt? Der schon ein Stück bekommen hat, fühlt sich gerecht behandelt, der vor dem leeren Teller sitzt, schreit auf und jammert, fühlt sich benachteiligt, fühlt sich ungerecht behandelt, weil ein andere zuerst an der Reihe war.

Oder ist es nur so das der Fokus eines jeden einzelnen auf etwas anderes in diesem Moment gerichtet ist?  WO bleibt die Gerechtigkeit wenn Börsengurus spekulieren, diese unzählige mitreißen in den Bankrott, WO bleibt die Gerechtigkeit wenn jemand ein Kind umbringt und dann die Ermittler vor Gericht bringt, weil diese noch die Hoffung besitzen das Kind könnte leben und ihm keine Streicheleinheiten anbieten sondern die gleiche Gewalt die er seinem Opfer angetan hat? Finden sie das gerecht? Kriege wurden als gerecht bezeichnet, wenn sie ethisch gerechtfertigt seinen, was ist für wen ethisch vertretbar?

Rudolf Taschner hat die Form eines Essay dafür gewählt, um sich mit der Frage nach Gerechtigkeit auseinander zusetzten, in sehr persönlicher Form erzählt er uns seine Ansicht, legt uns seine Sichtweise dar. Der Titel "Gerechtigkeit siegt, aber nur im Film", ist Aussage genug um zu dem Buch zu greifen und sich selbst mit seiner eigenen Sichtweise, seiner eigenen Einstellung zu diesem Thema auseinanderzusetzen. Ist man zu Beginn noch fest der Überzeugung, es gibt sie diese Gerechtigkeit, belehrt uns Taschler das es nur ein Wunschgedanke ist, die absolute Gerechtigkeit in allen Ebenen. Das Leben ist ein Spiel, die Spielregeln sind uns vorgegeben, aber niemand, niemand kann vorhersagen welche Zahl er würfelt und wer als erster das Ziel erreicht.

Gleiche Chancen, gleiche Möglichkeiten, gleiche Gerechtigkeit für alle, gibt es nicht, reich ist nicht wer Millionen erbt, sondern reich ist derjenige der erkennt, nur er selbst ist für die eigenen Gerechtigkeit verantwortlich. Es ist nicht egal ob nur ich mich gerecht behandelt fühle, sondern ob ich auch die anderen gerecht behandle. Im Film, siegt immer, fast immer die Gerechtigkeit, im wahren Leben jedoch gibt es keinen Regisseur.

 


Univ.-Prof. Dr. Rudolf Taschner, geboren 1953 in Ternitz,

studierte an der Universität Wien Mathematik und Physik.

1977 begann er seine Arbeit an der Technischen Universität Wien, an der er nach einem Zwischenaufenthalt in Stanford bis heute als Professor tätig ist.

Rudolf Taschner gründete und betreibt zusammen mit seiner Frau und Kollegen der TU Wien „math.space“, einen Veranstaltungsort im Wiener MuseumsQuartier, der Mathematik als kulturelle Errungenschaft präsentiert und sowohl in Österreich als auch international größte Anerkennung als höchst innovative Einrichtung gefunden hat. 2004 wurde Rudolf Taschner zum „Wissenschaftler des Jahres“ gewählt. Sein Bestseller „Zahl Zeit Zufall. Alles Erfindung“ erhielt zahlreiche Auszeichnungen, sein im Herbst 2009 erschienenes Werk „Rechnen mit Gott und der Welt“ wurde zum Buchliebling 2010 gewählt

Zu den Büchern von Rudolf Taschner

(Cicero)

 

 
für den Inhalt verantwortlich Barbara Lechner