DER PROFESSOR , ein Psychothriller kommt heute auf die Weihnachtswunschliste

professor
Der Professor: Psychothriller

Verlag: Droemer (28. Oktober 2010)

John Katzenbach hat in seinem neuem Thriller einen Hauptdarsteller gewählt, der abseits alles Klischees vom Superhelden liegt. Der amerikanische Schriftsteller lässt einen alten, kranken, dem Suizid nahem Professor in die Rolle des Helden schlüpfen.
Eigentlich will Professor Adrian Thomas nur eines, seinem Leben ein Ende setzen, hat er von seinem Arzt eine Diagnose erhalten, an der er scheinbar zerbricht- Demenz. Doch bevor er dazukommt sich selbst ins Jenseits zu befördern, wird er in der Dämmerung Zeuge wie ein junges Mädchen, mit einem Teddybären im Rucksack scheinbar von Unbekannten entführt wird. Glaubt er zuerst ein Opfer seinen wirren Gedanken und Tagträumen zu sein, findet er doch eine Baseballkappe als stummen Zeugen am Tatort. Der Pyschologieprofessor weiß nicht ob er dem Geschehenem trauen kann, oder ob ihm sein verwirrter Geist einen Streich spielt, er den kurzen Moment nur in seiner Phantasie erlebt hat. Jennifer Riggins jedoch, das junge Mädchen wurde tatsächlich Opfer einer Entführung, eigentlich wollte der junge Teenager nur schon wieder ausreißen, aber landet in den Händen ihrer Peiniger. Nicht zum ersten Mal müssen ihre Eltern Detective Terri Collins verständigen, die mit dem 16 jährigen Teenagers schon öfters zu tun hatte. Doch diesmal ist alles anders, falsche Spuren werden gelegt, das Mädchen ist und bleibt verschwunden. Während die Polizeibeamtin den Fall als Routine betrachtet, sie weiß noch nichts von der Entführung, kämpft der pensioniert Psychologieprofessor noch immer mit seinen Gedanken, als er sich Klarheit verschaffen will. die Gegend mit der pinken Baseballkappe abklappert, steht er auch vor der Türe von Jennifers Eltern, erzählt ihnen und der Polizei von seinen Beobachtungen. Collins weiß zwar nicht was sie von dem alten Mann halten soll, geht auf Distanz und geht nach der strikten Polizeiroutine vor. Adrian Thomas hingegen lässt es keine Ruhe, er beginnt selbst zu ermitteln, nachzuforschen, zu suchen und Fragen zu stellen. Unterstützt wird er dabei von drei Personen, die ihm mit Rat zur Seite stehen, ihm einen Halt geben wenn er an seinem Geist den die Demenz fest im Griff hat zu zweifeln beginnt, seine Frau, sein Bruder und sein Sohn. In Zwiegesprächen mit ihnen erörtert er den Fall, aber gleitet auch in Gedanken zurück in die Vergangenheit, sucht die gemeinsamen Zeiten denn die drei sind tot. Adrian Thomas redet mit seiner Frau, die am Tod ihres im Krieg gefallenen Sohnes zerbrochen ist, seinem Bruder der Selbstmord beging, seinem Sohn, sieht sie vor sich, als Spiegelbild der Vergangenheit.
Während Thomas und Collins verzweifelt nach ihr Suchen, beobachten auf der ganzen Welt per Internet neugierige und zahlende Zuseher, per Internet, die Gefangenschaft von Nummer vier. Was mit ihren Vorgängerinnen passiert ist, was ihr bevorsteht kann Jennifer nur ahnen, sie hat nur einen Gefährten in der Dunkelheit- ihren Teddybär, sie weiß nur sie ist Nummer vier und sie will überleben.
Mit der Figur des kranken, alten, teilweise verwirrten Adrian Thomas hat John Katzenbach eine faszinierende Person geschaffen, die ohne zu wollen in etwas verstrickt wird, das die Abgründe der menschlichen Seele aufzeigt. Das Thema um das es sich hier dreht, wird immer nur kurz angesprochen, mit Häppchen füttert der Autor seine Leser, aber das reicht vollkommen. Erzählt von einem alten Mann, der nur noch sterben will und von einem jungen Mädchen das nur noch überleben will. Man weiß als Leser nicht mit wem man mehr mitleiden soll, dem Mann der in einem Alptraum seiner Gedanken gefangen ist, oder dem jungen Mädchen, welches den sadistischen Machenschaften ihrer Entführer hilflos ausgeliefert ist. Die schon ein Drehbuch des Todes, ihrer Gefangenschaft verfasst haben, um mit ihrem Meisterstück nur eines im Sinn haben- Geld zu verdienen, reich zu werden durch die kranke Lust ihrer Kunden, die mitbestimmen wollen und können bei der Frage: WHAT COMES NEXT ?
Der Professor ist ein spannendes Buch, immerhin 555 Seiten dick, also genug Lesestoff. Vieles bleibt unerzählt, nur den Gedanken des Lesers überlassen, erzeugt aber dadurch einen Effekt, der nicht nur Mitleid sondern auch Gänsehaut erzeugt, es gibt nicht massenweise Gewaltszenen, oder ähnliches, man weiß wie die Geschichte ausgehen kann aber nicht wie sie ausgehen wird. Es bleibt beim Ende die Frage offen- wie geht es weiter- zerbrechen die Hauptfiguren oder schaffen sie es doch zu überleben?
Hätte der amerikanische Bestellerautor sich auf Trashniveau herabgelassen, die Spielchen des Entführerpaares bis ins Detail beschrieben, würde die Geschichte nur abstoßen, Ekel erregen, doch es zeigt sich hier das Können von Katzenbach . Denn ohne etwas zu schreiben viel zu erwähnen, erzählt er doch alles. Er schildert keine Vergewaltigungen, blendet sie aus, der Leser weiß was passieren wird, das es ein Entkommen gibt, so wird Gänsehaut erzeugt. Vor allem weil die Personen so unterschiedlich in ihren Charakteren sind, entstehen Situationen die erschrecken aber doch wieder glaubhaft sind, reale Situationen wie sie tagtäglich passieren können. Alzheimer, Demenz und Gewalt zwei Themen die sich hier nur durch eine Person miteinander zu einem Thriller verbinden- den Professor.

Wer einen Antwort auf die Frage sucht warum Jennifer die Lieblingsfigur von John Katzenbach ist- auf der Innenseite des Umschlages erzählt der Autor über seinen Roman.

John Katzenbach wurde 1950 in Princeton, New Jersey, als Sohn einer Psychoanalytikerin geboren. Bereits von ihr lernte er eine Menge über die menschliche Psyche, deren Untiefen er später in seinen Thrillern ergründen sollte.



Post to Twitter Post to Facebook

geschrieben am 2. Dezember 2010 – 18:00 Uhr von B. Lechner.
Veröffentlicht in Allgemein