Das Wunder von Treviso

Falk_Das Wunder von Treviso_Le.Ex_HK.inddDon Antonio hat ein Problem, nicht nur das seine Schwester alles besser weiß, nein auch Gott- sein” Big Boss”, hat wohl vergessen das es Treviso, einen kleinen Ort in Norditalien überhaupt noch gibt. Nicht nur er als Pfarrer hat mit dem Bevölkerungsschwund zu kämpfen, der ganze kleine Ort scheint auszusterben. Drei Begräbnisse in einer Woche, neuer Rekord und wer soll denn schon nach Treviso kommen, wo liegt das überhaupt, was gibt es dort. Vor allem da das Nachbardorf Castello della Libertá alles Mögliche unternimmt um ja keinen Fremdenverkehr nach Treviso zu lassen. Und so beten alle um Wunder… und es geschieht ein Wunder. Bei einer Hochzeit beginnt die Madonna plötzlich zu weinen, blutrote Tränen, die blinde Madonna von Treviso weint, vor Zeugen, einer Hochzeitsgemeinschaft. Halleluja ein Wunder, endlich!
Die Schlagzeilen von der weinenden Madonna locken viele Gläubige an, die Medien überschlagen sich mit Berichten über das göttliche Zeichen. Der kleine Ort rückt in das Zentrum der Welt, alle wollen das Wunder sehen.
Doch auch der Vatikan wird auf seine Zweigstelle aufmerksam, schickt einen Experten vor Ort der das Wunder untersuchen soll, aber da wird die Madonna entführt und alles steht Kopf. Die einen weil ein Schildbürgerstreich außer Kontrolle gerät, die anderen weil sie der späte Ruf der Liebe ereilt. Mittendrin ein Pfarrer und seine Schwester, die eigentlich nur wegen seines Hexenschusses zu ihrem Bruder geeilt ist um ihn zu pflegen und zu umsorgen.
Auf das Buch aufmerksam geworden bin ich weil es für zu den Finalisten für den DeLiA 2012 (DeLiA-Literaturpreis der Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren zählt, die Autorin in Wien lebt und es ein Debütroman ist. Nebenbei auch noch das “Das Wunder von Treviso”, als unverlangt eingesandtes Manuskript bei Rowohlt genommen wurde. Nun so landete das Wunder in meinem Regal, es ist ein Wunder, denn im Bereich Liebesromane etwas Neues zu erfinden ist schwer. Eine leichte spritzige Komödie, vereint aber mit etwas Tiefgang in der Erschaffung der Figuren und auch ins mancher Szene. Don Antonio ist einfach nur liebenswert, wer kann es dem armen Pfarrer verübeln, das er nicht an die Gnade Gottes denkt, wenn seine Schwester sprichwörtlich mit der Tür ins Haus fällt. Eine Eingebung, die zur Androhung des Artikels 33c führt, (drohende Exkommunikation), wer kann es ihm böse sein das er der Versuchung nachgibt. Nur müssen manche erkennen das die Wege Gottes wirklich oft unergründlich sind und es oft, sehr oft nicht so läuft wie man es eigentlich geplant hat. So hören zwei Menschen, während der Schnee Treviso in Stille hüllt, leise Mitternacht kommen.
Die Handlung mehr zu beschreiben unterlasse ich, es würde das Lesevergnügen hier deutlich schmälern, würde ich zu viel verraten.
Der Schreibstil ist herzerfrischend unbekümmert, die Geschichte mag zwar etwas erinnern an Don Camillo, aber das war gestern, heute gibt es Don Antonio.
Bezaubernd ist die Liebesgeschichte, die im Hintergrund leise beginnt, langsam entsteht, wächst sie, eine späte Liebe, liebevoll wird ihr Entstehen beschrieben. Es ist eine Lektüre die zum Abschalten einlädt, sie lässt Hektik und Stress des Alltages vergessen. Leicht wie eine Feder schwebt die Geschichte, lädt zum Schmunzeln ein, etwas Ironie ist hier gut verteilt, süss wie die ersten Erdbeeren im Sommer. Es ist ein durchaus gelungener Debütroman, vielleicht wird der nächste  etwas länger sein, die Autorin hat sicher das Potenzial dazu. Vor allem hier keine junge Liebe, sondern zwei Menschen im reifen Alter das Glück wieder finden zu lassen ist eine willkommene Abwechslung. Man merkt aber auch dass die Autorin in Italien gelebt hat, sie fängt das Leben in einem kleinen Dorf gelungen ein.

Leseprobe aus “Das Wunder von Treviso
Falk_Susanne_(C) David Laudien
Susanne Falk, nach eigenen Worten „so eine Art Gemisch mit deutschem Pass, deutscher Aussprache und Wahlwiener Identität“ lebt zurzeit in Wien. Geboren 1976 in Kappeln an der Schlei als jüngstes von vier Kindern, studierte sie Germanistik an den Universitäten Rostock und Wien. 2008 promovierte sie an der Universität Wien mit einer Arbeit über den Journalisten und Schriftsteller Hans Habe. Von 1998 bis 1999 lebte sie in Rom, wo sie Luigi, dem Friseur aus „Das Wunder von Treviso“, begegnete
Es ist ihr Debütroman, die Lektorin bei Kindler (Rowohlt) hatte hier den richtigen Riecher, schaffte es das Buch doch unter die Finalisten des den DeLiA 2012 zu kommen.
Der DeLiA Sieger wird in einer Gala am 12.5.2012 im Rahmen der DeLiA-Liebesromantage in Grassau im Chiemgau bekannt gegeben. Die Veranstaltung wird als Livestream von dem Literaturportal Lovelybooks übertragen.
Die DeLiA Liebesromantage 2012 finden vom 10. bis 13. Mai 2012in Grassau/Chiemgau statt.
Neben Schreibseminaren die frei und öffentlich sind, ua mit Petra Schier, finden Lesungen, Leseabende und vieles mehr statt.
Ein kleiner Auszug, es sind ua. vertreten: Heidi Rehn, Angeline Bauer, Kerstin Gier, Marie Cristen, Britta Sabbag, Iny Lorentz, Petra Schier.
Mehr über das Programm, die Gala ist hier zu finden:
DeLiA Liebesromantage 2012

Mehr über die Finalisten

auch für Kindle und als Hörbuch erhältlich

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geschrieben am 21. März 2012 – 11:09 Uhr von B. Lechner.
Veröffentlicht in Allgemein