Sie beginnt in Bruck, einem kleinem Ort, dessen Blütezeit im Tourismus vorbei scheint, ein Ort der im Dornröschenschlaf neben den großen Fremdverkehrsorten Zell am See und Kaprun schlummert. Aber in diesem Ort beginnt im Ortszentrum mit „0 km“ eine der wichtigsten, eine der schönsten Alpinstrassen nicht nur Österreichs sondern auch Europas. 47.8 km lang führt die Straße von Bruck über Fusch, hin zum Großglockner, um auf der anderen Seite in Heiligenblut zu enden. Einst war das Gebiet rund um den Glockner das Jagdrevier der österreichischen Kaiser, heute Tourismusmagnet für Wanderer, Autofahrer, Radsportler und auch nur Durchzugsstraße Richtung Meer, aber keiner kann sich der Schönheit der Alpen entziehen.
Die Rede ist hier von der Großglockner Hochalpenstraße, feierlich eröffnet am 3. August 1935 nach 26 Monaten Bauzeit. 1924 erhielt DI Franz Wallack den Auftrag eine drei Meter breite Straße (optional mit der Erweiterung auf fünf Meter) zu planen. Das Budget war im Vergleich zu heute gering, drei Millionen Schilling – heute etwa sechs Millionen Euro waren dafür vorgesehen. 1929 war die Wirtschaftskrise deutlich spürbar, so wurde vom Landtag der Bau der Straße beschlossen, für 3.200 Arbeiter waren es 1,8 Millionen Arbeitsschichten bis die Straße endlich fertig war.
Der Weg über den Glockner hat eine sehr lange Geschichte, auf der Salzburger Seite war Bruck, an der Salzach Ausgangspunkt, schon vor über 4000 Jahren war hier in der Jungsteinzeit die ersten Ansiedlungen, urkundlich erwähnt wurde der Ort im 11. Jahrhundert, hatte neben Rauris in den folgenden Jahrhunderten einen hohen Stellenwert auf dem Weg nach Italien. Auf der anderen Seite der Alpen ist Heiligenblut 1.301 m gelegen, wie Bruck ein Wallfahrtsort, noch immer findet jedes Jahr die „Glocknerwallfahrt“ statt, wo die Wallfahrer zu Fuß den schweißtreibenden Marsch über den Glockner auf sich nehmen.
Der Ort mit der gotischen Wallfahrtskirche hat ebenfalls wie Bruck auf der andern Seite eine lange Geschichte, Goldfunde, der erste Ort nach der Überquerung der Alpen zu Fuß oder mit den Säumerpferden, viele Weg führen dahin aber der schönste ist wohl über die 36 Kehren von Salzburg aus kommend über den Alpenpass.
Doch was macht den Reiz dieser Straße aus? Sicher nicht nur der Respekt den man den Bauarbeitern und Ingenieuren zollt, die ohne die technischen Hilfsmitteln des 21. Jahrhunderts diese Straße bauten, sondern auch die Natur, die Gewaltigkeit der Schönheit der Alpen die sich hier erschliesst.
Beginnt man in Bruck, fährt man Richtung Fusch, der Fuscher Ache entlang, gelangt man gesäumt von Wiesen und Bauernhöfen, nach Fusch, einem Ort der einst eine große Bedeutung als Kurort hatte, heute leider alles verfallen und in Vergessenheit geraten ist. Ein Ort wohin man auf Sommerfrische fuhr, wo die Gipfel der Alpen die Pioniere der Alpinisten zu Abenteuer verlockten. Den Zauber dieser Zeit fing Walter Kappacher mit seinem Roman „Der Fliegenpalast“ ein. (ausgezeichnet dafür mit dem Georg Büchner Preis). Weiter geht es nach Ferleiten, dem Tor nach „Oben“, zur Mautstelle und dann beginnt die Reise. Aufwärts, eine Kehre nach der anderen, geht es Richtung Hochtor. Abseits der Straße sind einige Aussichtspunkte, Ausstellungen sowie auch Themenspielplätze die dazu einladen die Welt der Alpen zu erkunden.
Die alte Sage rund um die Entstehung der Pasterze wird zum Beispiel im Gamsgrubentunnel durch eine Installationen aus Stein, Licht, Ton und Malerei der Kärntner Designerin Michaela Fink zum Leben erweckt und fasziniert genauso wie die „Pockhorner Wiesen“, zwischen Rasthaus Schöneck und dem Glocknerhaus gelegen ist sie ein Ort wo auf kleinstem Raum die Flora der Alpenwelt sich von ihrer schönsten Seite zeigt.
Lustig wird es dann bei einer Pause bei der Pasterze, wo man vor allem weiblichen Touristen beim Versuch die Gletscherzunge mit Hilfe von Stöckelschuhen und Flip Flops zu bezwingen….. (also hier der gute Tipp- ordentliches Schuhwerk mitnehmen für die Ausflüge abseits der Straße)
Am Hochtor verschnaufen auch die unzähligen Radfahrer die sich einmal als „Glocknerkönig“ fühlen wollen, bevor die rasante Abfahrt bergab beginnt. Es ist wohl der geschichtlich bedeutendste Ort, Ausgrabungen belegen dass hier bereits Standort eines römisch-keltischen Heiligtums war. In der Mitte des von Clemens Holzmeister erbauten Tors, des alten Passes des römischen Handlungsweges, des Säumerweges, verlaufen auch die Landesgrenzen der beiden Bundesländer.
Herbert Gschwentner hat in seinem Buch sich nicht nur der Geschichte und Erbauung der Straße sondern sich den Plätzen abseits des Asphaltes gewidmet. Abschnitte die dem Reisenden sonst verborgen bleiben stellt er vor, erzählt Geschichtel´n rund um dem Berg, die Straße und die Bewohner die im Sommer hier leben. Mankei´s, pfeifend auf Schultern des Wirtes sitzend, seltene Blumen, historische Schneefräsen, kulinarisches, nichts bleibt unerwähnt. Als zusätzliches Plus, das Buch ist zweisprachig, das heißt, auf der einen Seite deutscher Text, daneben die Übersetzung auf Englisch, nicht nur das unterstreich die touristische Bedeutung der Straße. Die Übersichtskarten, die Fotografien runden das Ganze ab zu einem wunderschönen Bildband über eine Meisterleistung.
Herbert Gschwendtner „Erlebnis Großglockner Hochalpenstraße Adventure Grossglockner High Alpine Road“ ist im Verlag Anton Pustet erschienen.
Herbert Gschwendtner, 1948 in Schwarzach im Pongau geboren, ist der aus einer Bergmannfamilie stammende Salzburger vor allem durch seine Arbeit beim ORF Salzburg bekannt. In den Siebzigerjahren betreute er als Hüttenwirt das Matrashaus auf dem Hochköniggipfel und bewirtschaftete anschließend 20 Jahre die Dr.-Heinrich-Hackel-Hütte im Tennengebirge. Nach einer Krebsoperation versuchte er, seine Krankheit durch das Schreiben von Gedichten und Kurzgeschichten zu überwinden. Seit den Achtzigerjahren gestaltet er Volksmusiksendungen für den ORF Salzburg und verfasst – nach wie vor seine Lieblingsbeschäftigung – Mundart-Gedichte.

