Buchpräsentationen-Lesungen
Keim der Furcht

- Gebundene Ausgabe: 451 Seiten
- Verlag: Projekte-Verlag Cornelius; Auflage: 1 (5. Oktober 2011)
- Sprache: Deutsch
Leseprobe:
„Gott lässt den Menschen leben! Gott lässt die Tiere leben! Gott lässt alles um uns herum erblühen und ergrünen! Gott lässt das Wasser fließen und die Vögel am Himmel fliegen! Gott ist Schöpfer des Lebens!
Es war einst unser Glaube, als wir Stämme noch unabhängig waren, ohne dass der weiße Mann vom fernen Land hier her kam und alles veränderte, was dem weißen Mann gefiel. Mit dem weißen Mann kam Unterdrückung und Tod, kamen Kriege, Folter und Vernichtung, kam Zerstörung, Elend und Hass. Der Weiße hasste den Schwarzen, der Schwarze hasste den Weißen. Und jeder fand einen Grund zu hassen. War es nicht die Hautfarbe, dann war es die Religion, dann war es der Charakter der Schwarzen, dann waren es unsere Bodenschätze, die man sich aneignete. … Ja. Auch wir lernten zu hassen. Und dieser Hass führte zu Unterdrückung und Krieg. Einen Krieg, der weitestgehend immer noch anhält. Dieser Krieg vernichtete Menschen – Menschen die nie in diesen Krieg ziehen wollten, aber vom Hass dazu getrieben wurden. Sie wollen wissen, warum wir das Stückchen Land FELD DES TODES nennen?
Weil der Acker vom Blut der Toten getränkt ist. Vor fast sechzehn Jahren hatten sich die Blauen und die Schwarzen einen Krieg geliefert, der unzählige Tote lieferte …“
„Was meinte sie mit BLAUE?“, fragte Lundborg flüsternd zu Bawaneé.
„Blauhelme.“ ,flüsterte er zurück.
„Um eine Epidemie zu verhindern wurden sämtliche Toten in ein Grab gelegt. Erde wurde mit monströsen Maschinen über die Toten geebnet. Vor fünf Jahren wurde dieses Feld wieder dem Ackerbau zugänglich gemacht. Es war das beste Ackerland, dass wir hatten. Doch seit den Bestattungen der Toten, wuchs kein Grashalm darauf. Als wäre dieser Acker verflucht. Als würde sich Gott weigern, des Menschen Untat mit Leben zu belohnen. Seit Jahren versuche ich mit meiner Familie diesen Acker zu bestellen. Er ist zu trocken und mit dem Fluch des Todes belegt!“
Die alte Frau erhob sich und lief in ihrem Tempo wieder auf den Acker hinüber, nahm ihren Lederkorb wieder auf, schnallte ihn sich hinterm Rücken fest und machte da weiter, wo sie aufgehört hatte.
