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Knastreport Das Leben der Weggesperrten

 

    Kai Schlieter

  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: Westend (Februar 2011)

 

Volker Ullmann hat seine Frau ermordet, momentan sitzt er in der JVA Tegel ein. Er steht als Mörder, als Lebenslänglicher ganz oben in der Hierarchie der Gefängnisinsassen, weit über jenen die grausame Verbrechen gegenüber Frauen und Kinder begangen haben. Doch sie verbindet eines, sie müssen für eine Tat hinter Gitter, hinter Schloss und Riegel, sicher verwahrt. Für Monate oder Jahre, je nach Urteil, ein halbes Leben oder lebenslang. Wobei "lebenslänglich" im deutschen Strafvollzug durchschnittlich 18 Jahre Haft heißt. Bundesweit verbüßen  rund 1900 Männer und rund 100 Frauen eine lebenslängliche Haftstrafe in einem der deutschen Gefängnisse.

Doch wie sieht der Alltag in einem Gefängnisse wirklich aus? Jugendgefängnisse, der größte Anstaltskomplex JVA Tegel, Frauengefängnisse wie Pankow oder die JVA Celle. Karl Schlieter begibt sich freiwillig hinter die Mauern, spricht mit Inhaftieren, mit Mördern, hinterfragt die Richtlinien, die Vorschriften und ob die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt. Wirft vor allem diese Frage beim Leser auf, haben vor allem Mörder ein Recht auf Menschlichkeit, auf Rechte?

 

Eines bleibt klar auf der Hand, Schlieter ergreift nicht Partei für die Insassen, er lässt bewusst im Vordergrund stehen, die Menschen wurden rechtskräftig von einem deutschen Gericht verurteilt, sind sich ihrer Tat und Schuld bewusst. Die Verfassung sieht vor das Strafgefangene resozialisiert werden müssen, doch wie geht das vor sich, sieht die Realität hinter Gittern so aus wie es man sich vorstellt oder sind die Haftbedingungen doch härter als so mancher glaubt?  Arbeit steht an der Tagesordnung, wie in den Zuchthäusern in den vergangenen Jahrhunderten besteht volle Arbeitspflicht, Verweigerungen werden disziplinär bestraft. Vom Entzug des Hausgeldes, Wegnahme von persönlichen Dingen die zur Beschäftigung in der Freizeit dienen bis hin zu Arrest- Absonderung oder auch einfach genannt Isolation reichen die Strafen die ausgesprochen werden können.

Der Autor stellt uns auch Johannes Fesst vor. 1977 eröffnete der österreichische Rechtsprofessor, studierter Soziologe in Bremen seine Rechtberatung im Knast auf. Prof. Feest kennt den Knastalltag wie kein anderer, er führt das Strafvollzugsarchiv. Er kümmert sich um Belange jener denen zugleich mit der Verurteilung auch das Recht selbst über ihr Leben, ihren Alltag zu bestimmen abgesprochen wurde, ist jedoch bei vielen Leitern der JVAs in Deutschland nicht sehr beliebt. Hier spricht Schlieter etwas an das nicht gerne gehört wird- wie viel Macht, Souveränität und Willkür darf sich ein Anstaltsleiter erlauben?

Jeder kommt hier zu Wort, Forensiker, Kriminologen und Gerichtspsychiater und die Gefängnisinsassen, sie zeichnen verschiedene Bilder des deutschen Strafvollzuges, gewähren uns einen Einblick in eine Welt die uns verschlossen bleibt

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Kai Schlieter, 37 Jahre, ist Soziologe und Sozialpädagoge und arbeitet als Redakteur bei der taz. Seit 1998 ist er als Journalist tätig, zuerst beim Südwestrundfunk, später als Parlamentskorrespondent der Thüringer Allgemeine in Berlin und als Autor für den Deutschlandfunk.


 

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