Buchpräsentationen-Lesungen
Lebenslauf

- Gebundene Ausgabe: 461 Seiten
- Verlag: Kiepenheuer & Witsch; Auflage: 1., Auflage (15. September 2011)
Am besten das Buch hier kaufen und sich eine eigene Meinung bilden
Jede dritte EMMA Leserin ist unter 30 Jahren und das Durchschnittsalter beträgt 39 Jahre ( im Vergleich bei Brigitte 47 Jahren) , gut ich bin 41 Jahre alt und habe noch nie EMMA gelesen. Also ging ich mit gemischten Gefühlen an die Biografie jener Frau, deren Namen untrennbar mit dieser Zeitschrift verbunden ist- ALICE SCHWARZER.
(Zur Zielgruppe scheine ich ohnehin nicht zugehören, lebe ich doch nach dem „veralteten Modell der Hausfrauenehe.“)
Alice Schwarzer - kaum ein Name ist so eng mit Gleichberechtigung, Emanzipation und dem Bild der modernen Frau verbunden wie ihrer. Doch wer ist Alice Schwarzer, nur eine Journalistin, Buchautorin, Gründerin der „EMMA“ oder doch die Frau die am meisten für die Gleichberechtigung und Emanzipation in Deutschland getan hat?
Nicht nur ihr Leben sondern auch schon ihr Start in dieses war etwas anders als es die deutsche Bilderbuchfamilie propagierte. Als uneheliche Tochter, einer viel zu jungen und vom Leben und dem Säugling überforderten Mutter,1942 im Kriegsdeutschland geboren, wurde sie größtenteils von ihren Großeltern in Wuppertal aufgezogen. An und für sich nichts ungewöhnliches, doch in der Familie Schwarzer übernahm der Großvater die Mutterrolle. Die Großmutter, eine sehr mutige Frau, die offen ihre Antiphatie gegen das Naziregime an den Tag legte, lebte ihr eines vor- für die eigenen Meinung einzustehen und auch offen und ehrlich dazu zu stehen. Doch wie wurde aus dem kleinen Mädchen, der jungen Frau, die eine Schreinerlehre machen wollte, dies ihr aber von Amtswegen untersagt wurde ( es gab keine Damentoilette im Ausbildungsbetrieb) die bekannteste Journalistin Deutschlands?
Die Medien lieben Alice Schwarzer, ist sie in einer Talkshow zu Gast, sind heiße Diskussionen vorprogrammiert, sie mische sich überall ein, gebe überall ihren Senf dazu, so der Vorwurf ihrer Kritiker.
Als Jugendliche schwärmt sie für Elvis, James Dean, trägt enge Jeans und Lidstrich statt Petticoat und Haarreif, geht nach Frankreich um Journalistin zu werden, jobbt als Aupair, Kindermädchen und ist in ihrem Leben alles andere als spießig. In Frankreich lernt sie nach der Beziehung zu M. Bruno kennen, die große männliche Liebe ihres Lebens und sie beginnt sich für die Rechte der Frauen einzusetzen, lernt Jean Paul Satre und Simone de Beauvoir, (franz. Schriftstellerin und Femminisitin kennen) und wird Mitbegründerin der französischen Frauenbewegung. Simone de Beauvoir ( Das andere Geschlecht,) setzte sich vor allem für das Recht der Abtreibung und für eine sogenannte Entmystifizierung der Mutterrolle/Mutterschaft ein und vertrat die Ansicht das die Unterdrückung die Frau nur daher komme, das diese nur kulturbedingt sei, also nicht von der Natur vorgegeben. Nicht die Natur, sondern die Vorstellungen von Moral, den Normen sowie den Sitten der Gesellschaft würden die Unterdrückung der Frau verlangen.
Doch was ist eine Feministin, was verbirgt sich hinter dem Wort Feminismus? Er ist keine Erfindung der Hippiebewegung sondern seine Ursprünge gehen weit zurück, weiter als es den Kritikern lieb ist. Das Wort Feminismus ist durch Charles Fourier (Sozialphilosoph 1772-1873) bekannt geworden, also keine Erfindung der Gegenwart und schon gar nicht von Alice Schwarzer. Bereits seit dem 17. Jahrhundert kämpften Frauen, vorweg in philosophischen Schriften wie Christine de Pizan, Olympe de Gouges, Mary Wollstonecraft, Hedwig Dohm um die Gleichstellung von Mann und Frau. Schulbildung, eigenständiges Leben war nur den Männern vorbehalten, Frauen hatten zwar Plichten aber keine Rechte.
Unter Feminismus versteht man die Forderung nach gleichen Rechten der Frauen in allen Belangen und der Gleichstellung zum Mann. Mit Alice Schwarzer erhielt nun der Feminismus eine lautstarke Stimme, eine Stimme die ein jeder hört, ob er will oder nicht, Politiker oder Ehemann, Hausfrau oder Bankerin.
1966 bekommt Alice Schwarzer eine Stelle als Volantairin bei den Düsseldorfer Nachrichten, ihr Einstieg in die Medienwelt ist Anfangs noch „harmlos“, Berichte über die Karnvealstrend stehen an der Tagesordnung. Zum Begriff, zum Gesicht der neuen Frauenbewegung wird Alice Schwarzer im Jahr 1971, als sie die Aktion Frauen gegen § 218 ins Leben ruft, deren Höhepunkt eine Titelgeschichte im Stern war, wo Frauen zum ersten Mal offen über ihre Abtreibungen sprachen.
Während Alice Schwarzer nicht nur als Journalistin sondern auch auch Autorin vehement nicht nur für die Gleichberechtigung der Frauen, sondern auch von de Beauvior geprägt, für freie Sexualität und die ökonomische Unabhängigkeit für Frauen eintrat, gab es auch Gegenstimmen. Eine davon war die argentinisch-deutsche Schriftstellerin.Ester Vilar, die in ihrem Buch „ Der dressierte Mann“ die Gegenthese vertrat, nicht die Frau würde vom Manne unterdrückt , sondern der umgekehrte Fall sei in Wahrheit an der Tagesordnungen. So kam es am 14. Januar 1975 zum Aufeinandertreffen der beiden Autorinnen in einer Fernsehsendung im WDR. Es kam zu einem Rededuell in dem beide, vor allem Alice Schwarzer vehemmt für ihren Standpunkt eintraten. Die Printmedien sorgten für das ihrige- Alice Schwarzer war in aller Munde. (auf you tube ist das Gespräch übrigens zu finden).
1977 gründete sie die Zeitschrift „EMMA“, eine Zeitung die in allen Belangen, sei es politisch, ökonomisch und auch journalistisch vollkommen unabhängig ist. In ihrer Zeitung werden Themen aufgegriffen, die als „heißes Eisen“ für so manche andere Zeitschrift zu provokant, zu modern waren und sind. Sei es sexueller Missbrauch gegen Kinder, Pornografie, Vaterschaftsurlaub und Ganztagesbetreuung. ( auf www.emma.de/service/emma-lesesaal/ kann man 300 Emmaausgaben aus 34 Jahren online nachlesen)
Ihre Biografie ist die Geschichte einer sehr interessanten Persönlichkeit, einer Frau die auch was wenige wissen, jahrelang heterosexuelle Beziehungen führte, zur Zeit mit einer Partnerin in einer Beziehung ist, aber auch ein Einblick in die Zeitgeschichte, zwar aus einer etwas anderen Sichtweise aber durchaus interessant zum nachlesen.
Die Lebensgeschichte, vor allem ihre Kindheit war sicher prägend dafür verantwortlich das sie zu einer so starken Verfechterin für das „schwache Geschlecht“ wurde, aber in der heutigen Zeit ist der ständige Ruf nach Emanzipation und Feminismus in allen Belangen oft nicht mehr so stark von Nöten wie Alice Schwarzer es gerne hätte.
Die Generation 70+, ist aufgewachsen in einer Zeit wo es selbstverständlich wurde, das Frauen berufstätig waren,das sie eigene Entscheidungen treffen konnten, für meine Töchter ist es selbstverständlich wenn ihr Vater kocht, mein Sohn bügelt seine Hemden selber, aber ich lebe trotzdem noch in einem Klischee für Frau Schwarzer.
Es wäre durchaus wünschenswert wenn sich die Redaktion und auch Frau Schwarzer einmal bewusst würden, das es ein anders Frauenbild, gibt, jene Frauen die eine Ehe gleichberechtigt mit ihrem Mann führen, wo es zu keinem Geschlechterkampf kommen muss, wo es keine Reglungen von aussen braucht oder Vorschriften wer wann wie viele Stunden mit dem Kind verbringt. Vor allem der Stellenwert der Mutter sollte neu überdacht werden, Mutter zu sein heißt heute nicht die Rückkehr an den Herd, sondern vielmehr sind es auch Frauen die sich bewusst für die Kinder entscheiden und auf Karriere und Macht verzichten.
Sie hat mit ihren Ansichten, ihrem Engament sicher sehr viel für die Frauen und ihre Rechte erreicht, aber ich vermisse doch eine Gewisse Art von Intimität in ihrem Lebenslauf, sie erzählt zwar von ihrem Kampf, ihren Meinungen , aber ihre Gefühle werden für mich zu kühl, zu nüchtern analysiert. Um ihre Denkensweise besser verstehen zu könne, bleibt dieser Punkt- was fühlt diese Frau wirklich- unbeantwortet? Wenn sie sich für ein Kind entschieden hätte, wäre es für so eine starke Frau nicht auch möglich gewesen ihren Weg im Feminismus weiterzugehen?
Vor allem entwickelt sich der Feminismus weiter- und in welche Richtung? Diese Frage wird nicht gestellt, manche ihrer Ansichten sind heutzutage zum Glück überholt, „Der kleine Unterschied“ ist nicht mehr das Mass aller Dinge, was für ein Geschlecht ein Kind bekommt, bestimmt noch immer die Natur, das macht uns zu dem was wir sind , nicht Macht und Ohnmacht. Ich fühle mich nicht mächtig als Frau, ich fühle mich nicht ohnmächtig- bin ich dann ein Zwitter?
Wenn sie in „ Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“ anmerkt, die Abhängigkeit vom Mann mache Frauen unfähig sexuelle Lust zu empfinden, entlockt es mir hier nur ein Lächeln, es stellt sich mir die Frage ob Alice Schwarzer hier ihre Ansichten je neu überdacht hat. Genauso so wenig erkaufen sich Frauen menschliche Nähe, Hautkontakt Zärtlichkeiten und auch soziale Anerkennung durch das Bett. Vielleicht wäre eine Neuauflage dieses Buches, in die Gegenwart übersetzt ein Anregung für Frau Schwarzer sich mit den neuen Frauen auseinanderzusetzen.
Bin ich eine Feministin- nun ich stimme Frau Schwarzer in einigen Punkten zu - bin ich emanzipiert? Ich gehe mal meinen Mann fragen.......
Alice Schwarzer,
Geboren am 3.12.42 in Wuppertal-Elberfeld
1959 Beginn der Berufstätigkeit (als kaufmännischer Lehrling)
1964/65 Sprachstudium in Paris
1966-1968 Volontärin und Redakteurin bei den Düsseldorfer Nachrichten
1969 Reporterin bei der Zeitschrift Pardon
1970-1974 Freie politische Korrespondentin in Paris für Funk, Fernsehen und Printmedien
1970-1974 Studium der Soziologie und Psychologie an der Fakultät Vincennes, Paris
Ab 1970 Engagement in der Frauenbewegung, zunächst in Frankreich, später auch in der Bundesrepublik
1971 Initiierung der Aktion Ich habe abgetrieben (veröffentlicht am 6.06.71 im stern), die zu einer breiten Kampagne gegen den § 218 und zum Auslöser der Neuen Frauenbewegung in der Bundesrepublik wurde.
Ab 1971 Zahlreiche Buchpublikationen als Autorin
11 Bücher (bis 1997) und als Herausgeberin 12 Bücher (bis 1997)
1974/75 Lehrauftrag an der Universität Münster, Fachbereich Soziologie)
Ab 1975 Verstärkte Arbeit im Fernsehen. U.a.
1975 TV-Streitgespräch mit Esther Vilar und 1984 mit Rudolf Augstein, beide WDR;
1989 bis 1996 Teilnahme an der Ratesendung Ja oder Nein?, ARD;
1992 bis 1993 Moderation der Talkshow Zeil um Zehn, HR.
1975 Erscheinen von Der kleine Unterschied und seine großen Folgen, der erste feministische Bestseller in Deutschland (übersetzt in elf Sprachen).
1977 Gründung von EMMA, seither Verlegerin und Chefredakteurin. EMMA ist mit rund 100.000 Druckauflage weltweit die einzige unabhängige feministische Publikumszeitschrift. Sie erscheint seit Januar 1993 im Zwei-Monats-Zyklus (bis dahin monatlich).
Preise:
1991 Von-der-Heydt-Preis der Stadt Wuppertal (Kulturpreis)
1992 Dr. Kurt Neven DuMont-Medaille der WAK (Westdeutsche Akademie fr Kommunikation)
1996 Bundesverdienstkreuz am Bande
1997 Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen
1997 Frau des Jahres 1997 des Verbands Deutscher Staatsbrgerinnen--
Alice Schwarzer wird am 4. Oktober um 19.00 Uhr in der Hauptbücherei am Grtel (Urban-Loritz-Platz 2a, 1070 Wien) ihre Autobiografie LEBENSLAUF präsentieren und daraus lesen.
