Buchpräsentationen-Lesungen
Luzid

- Taschenbuch: 616 Seiten
- Verlag: Pressel, J; Auflage: 1., Aufl. (13. Oktober 2011) edition - doppelpunkt
Benjamin ist Maler und Träume sind für ihn nur die Begleiterscheinungen der Nacht, die Vorkommnisse darin nur Trugbilder, Reflektionen des Alltages mehr nicht. Doch er findet sich eines Tages als Gefangener wieder, eingeschlossen in einer kleinen Zelle, in Einzelhaft, beginnt seine Geschichte. Sie spielt im Deutschland in den Zeiten des zweiten Weltkrieges, Ben ist Engländer, ein Feind, aber dies ist nicht der Grund für seine Inhaftierung. Seine Träume haben ihn zu einem Objekt der Begierde gemacht, als Versuchskaninchen im Projekt Morpheus wurde er auserwählt. Richard Thalion, deutscher Offizier, führt ihn in sein neues Leben ein, wo nur eines wichtiges ist- die Träume.
Die Erinnerung an die Träume, aber nicht nur seine, Benjamin findet sich in einer Klinik wieder, eher einem Sanatorium wo auch andere träumen. Doch diese Welt der Träume ist anders, es gibt Traumtore, Traumjäger und Welten die scheinbar real sind, oder sind es nur Spielgelbilder der Seele? Die Forschungsstätte, ausgeschlossen von der Umwelt, die Insassen isoliert, keine Nachrichten von draussen, eine Welt in der Welt, ruhig und leise, eine Insel umgeben vom Sturm des Krieges.
Bens Träume bringen keine Erhohlung, sie laugen aus, fordern ihn, bringen ihn nicht nur an die Grenze seines Geistes, es verschwimmt Wirklichkeit und Traumwelt. Doch auch in der heilen Welt von Morpheus geht das Leben seinen Weg, manche zerbrechen an den Forderungen immer mehr zu träumen, wählen den Tod- oder die Flucht in den Wahnsinn. Vom Militär wird Druck ausgübt, man will Ergebnisse um siegen zu können. Benjamin White jedoch bekommt Angst, Angst vor seinen Träumen, er will ihnen entkommen und auch seinen Gefängniswärtern, denn er wird zum Verbrecher wider Willen. Der Parallelwelt und der realen Welt will er entkommen, der realen Welt kann man sich durch Flucht entziehen- aber wer kann vor seinen Träumen fliehen? Träume lassen sich nicht abstellen, sie kommen ob man will oder nicht.
Benjamin White ist ein Gefangener doch er will sich nicht der Situation ausliefern, er will entkommen, er will überleben, er will wieder träumen können wie vorher.....
Der Titel "Luzid" hat eine tiefere Bedeutung. Als luzider Traum wird jener Vorgang von den Traumforschern bezeichnet, wo der Träumende während des Traumes sich bewusst ist, das er träumt. Träume lassen sich nicht beinflussen, doch die Theorie geht davon aus, das man die Inhalte steuern kann. Die Kontrolle der Träume, eine Steuerung und damit ein kontrolliertes Eintauchen in die Träume und Gedanken, diese Theorien werden von der Autorin hier aufgegriffen. Nicht die Deutung der Träume sondern die Macht die man damit ausüben könnte, um andere zu beinflussen - dies wollen die Mitarbeiter von Morpheus. Ein Angsmachendes Szenario, wer will schon das ander wissen was man träumt, der Gedanke das Träume steuerbar sein könnten, eine Vorstellung die Unbehagen auslöst. Utopie? Für Forscher sicher, aber in vielen Kulturen gibt es das Luzidträumen, wirklich. Im buddistischen Traumyoga wird damit angestrebt eine komplett geistige Klarheit in einer Phase zu erreichen, in der man normal keine Kontrolle hat. Ziel ist es während des Traumes nicht nur zu wissen das man träumt, hier die vollkommene Entscheidungsfreiheit besitzt, nicht nur über seine Gedanken sondern auch über seinen Körper und das man sich auch über den Sinn und Bedeutung des Traumes vollkommen im Klaren ist.
Dies Klarträume zu beherrschen ist durchaus möglich, es gibt Menschen die es können, sie werden eingesetzt zur Lösung von Konflikten und Problemen oder zur Erlernung von Fähigkeiten, wie es zb der Psychologe paul Tholey vewendete um Sportarten im Traum zu trainieren. Es gibt sogar eine Anleitung es zu trainieren...
Gundel Limberg hat eine scheinbar phantastische Geschichte geschrieben, die aber bei näherer Betrachtung und Befassung sich in eine reale Geschichte verwandelt, zwar sind Personen und Handlung fiktiv, aber es geht um etwas das ist, obwohl wir glauben zu wissen, da es nicht sein kann.
Die Traumforschung und auch die Kultur um die Träume haben eine lange Geschichte,Traumhauch-Hütten in Mesopotanien, im alten Griechenland interpretierten Pristerinnen die Träume, in der Bibel haben Träume ihren Platz, man denke nur an die Deutung der Träume des Pharaos durch Joseph. Heute hängen in so manchem Kinderzimmer die Traumfänger, die böse Träume einfangen sollen, ihr Ursprung liegt in der indianischen Kultur.
Die deutsche Autorin ein anspruchsvolles Buch, das keine leichte Kost ist, die Schreibweise ist sehr komplex und dicht, fordert damit den Leser. Eine seichte Lektüre für den Strand ist es nicht, hier ist die Gefahr vorhanden das man zu sehr von Benjamins Geschichte gefesselt wird und die Zeit vergisst. Sie überschreitet mit ihrer Erzählweise Grenzen, verwebt die Aspekte von Thriller und Erzählung miteinander, es ist weder das eine noch das andere, sondern etwas Neues. Obwohl kein Blut fließt hält sie den Spannungbogen enorm hoch, obwohl es keine näheren Informationen über die Zeit Bens vor Morpheus gibt, fesselt sie den Leser damit, das sie die Geschichte in einem straffen Zeitrahmen hält, es gibt kein davor und kein danach. Die Geschichte erinnert ein wenig an den "Zauberberg" nur im Gegensatz zu Thomas Manns Helden ist White unfreiwillig am Ort, er wird wie im Gegenstück mit Polikt, Philosophie und statt der Liebe mit Träumen konfrontiert. Benjamins Mentor scheint zu Beginn Oberst Teskow zu sein, doch nach Zeiten der Eingewöhnung ist Benjamin noch von weiteren Mentoren umgegeben oder sind alle nur Traumjäger? Es fällt ihm schwer zu entscheiden,wer ist böse, wer ist gut, wer lebt noch im Jetzt und wer nur noch in der Welt der Träume.
Die Begleitung Benjamins durch die Träume der Menschen, die Reise in die Traumwelten, das Durchschreiten der Traumtor und der Kampf gegen die Jäger- es ist eine spannende Gute Nacht Geschichte... in diesem Sinne - träumen Sie schön heute Nacht.......
Zur Autorin:
Gundel Limberg wurde 1967 in Frankfurt am Main geboren. Sie studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Geschichte. Neben kleineren Veröffentlichungen in Anthologien arbeitete sie an Fachpublikationen im pädagogischen Bereich mit, ehe 2011 ihr Roman Luzid erschien. Sie ist lebt und arbeitet heute in Frankfurt.

Gundel Limberg über ihr Buch:
"Wie ich auf Träume gekommen bin: ich habe mich lange Zeit mit Traumforschung beschäftigt (da ich eigene luzide Träume hatte und lernen wollte, sie willentlich zu träumen - nicht ganz so einfach) und habe sehr viel dazu gelesen, unter anderem das sehr gute Buch von Stephen LaBerge, aber auch die tibetischen Traumyogabücher und v.a.m.
Das Buch selbst entstand dann in einer etwas belasteten Lebensphase und ich habe das Schreiben selbst wie einen langen Traum erlebt - 5 Monate, bis die Rohfassung fertig war. Dann zwei nüchternere Jahre, um es zu überarbeiten und zu kürzen. Wie all meine Bücher entstand es übrigens aus einer spontan geschriebenen Anfangsszene, die dann gewissermaßen alles weitere determinierte. Dann erst wurde geplottet.
Als nächstes geplant - Ich bin gerade dabei einen Kriminalroman fertig zu stellen, der ganz diesseitig und unverträumt sein wird."
