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postheadericon "Ich bin noch nicht fertig" Erinnerungen


  • Gebundene Ausgabe: 286 Seiten
  • Verlag: Zsolnay (18. Juni 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3552054936
  • ISBN-13: 978-3552054936

Wohl kein anderer vor ihm hat die Öffentlichkeit, die Künstler und die Medien so polarisierte wie Ioan Holender während seiner Zeit als Staatsoperdirektor. Fast zwei Jahrzehnte dirigierte er alleine an der Spitze der Staats-und bis 1996 auch die Volkoper,eine kulturelles Institution wo nur eines zählt ,die Liebe zur Musik. So wird heute am 30. Juni  mit der Aufführung von Richard Wagners "Parsifal"  die letzte Vorstellung unter seiner Leitung über die Bühne geben und der letzte Vorhang für ihn als Staatsoperndirektor fallen.

Die Liebe zur Musik beginnt bei Holender schon in seiner Kindheit, seit seinem fünfzehnten Lebensjahr faszinierte ihn die Welt der Oper und des Theaters, mehr als das auf der Bühne gespielte sonder die Inszenierung selber. Zu seinem "Abschied" vom Haus am Ring, erschien nun sein Buch " Ich bin noch nicht fertig" im Zsolanyverlag. Holender bringt hier nicht nur seine Liebe zur Musik, die Geschichte seiner rumänischen Wurzeln zu Papier, sondern lässt uns an einem Rückblick, seinen Erinnerungen an die  Opern-und auch Theaterwelt der letzen 50 Jahre in Österreich teilhaben. Politische, künstlerische und auch menschliche Aspekte all jene muss jemand berücksichtigen der ein Opernhaus leitet. In seinem Buch, vielmehr einer Lebenserzählung lässt er uns an seinem Leben teilhaben, die Zeit vor und während seiner Amtszeit, und auch über die Welt der Künstler weiß er viel zu erzählen. Doch wer ist der wahre Ioan Holender, abseits von Medien und Oper? Wer verbirgt sich hinter dem Staatsoperndirektor, der es in Zeiten von Wirtschaftskrise und Sparpaket schaffte ein Opernhaus wirtschaftlich  rentabel zu führen und seinem Nachfolger Dominique Meyer die Schlüssel übergibt? 

Blick ins Buch

Geboren 1935 in Timisora, Rumänien, schien seit Weg in der Diktatur vorgezeichnet. Der aus einer jüdischen Familien stammende musste miterleben wie seine Eltern vom Regime enteignet wurden. Oper, Theater und Tennis waren seine Leidenschaften, doch im Zentrum stand sein Studium an der Technischen Hochschule. 1957 wegen politischer Gründe  vom Studium ausgeschlossen, verdiente er seinen Lebensunterhalt u.a. als Tennistrainer, bis er als 24jähriger durch die Familienzusammenführung nach Wien zu seiner dort bereits lebenden Mutter reisen durfte. Doch neben seinem Studium hatte er bereits Erfahrungen als Regieassistent gesammelt.

Staatsoperndirektor war zu dieser Zeit Herbert von Karajan, Paula Wessely und Attila Hörbiger spielten  am Burgtheater. Es gelang Holender eine Anstellung als Statist an der zu bekommen, und stand mit Josef Meinrad, Ewald Balser Fred Hennig und anderen großartigen Schauspielern der damaligen Zeit auf der Bühne. Das Theater am Parkring und im Theater in der Josefsgasse (heute The English Theatre), waren seine ersten Spielstätten als Regieassistent, in der Josefsstraße durfte er selbst inszenieren.

Doch im Wien der 70er Jahre reichte das Einkommen davon  nicht aus, und  berühmt zu werden und sich einen Namen in der Opernbranche zu machen alles andere als leicht. So begann Ioan Holender, nachdem ihm zugesichert worden war, er hätte eine ganz passabel Stimme, eine Gesangsausbildung. Bald bekam er die ersten Engagements als Bariton, tingelte durch Deutschland, Holland, und die Schweiz, und träumte von einem festen Engagement als Opernsänger. In Klagenfurt bekam seine erste feste Anstellung, doch als Sänger fand er seine Berufung nicht. 1966 begann er in der ehemaligen Agentur Straka, als Anfänger und lernte das Leben eines Bühnenvermittlers kennen.. Im Laufe der Jahre übernahm er die Theateragentur und baute sie zur größten und einflussreichsten Opernagentur Europas auf. Egal  der spanische, deutsche oder italienische Markt, Mariahilfenstraße 3 wurde zum Mittelpunkt der Opernwelt, hier wurden Engagement vermittelt und Stars geschaffen. Wer Holender als seine Agentur hatte war auf dem Weg nach Oben oder war schon ein Star auf der Bühne.

Eberhard Waechter, einer der bedeutendsten Baritone des 20. Jahr. wurde  1991 zum Direktor der Wiener Staatsoper berufen und holte Ioan Holender als Generalsekretär mit an Bord. Auf Grund verschiedener Quereleein, politischer Natur, verkaufte er seine Agentur und widmete sich ganz der Staatsoper. 1992 starb Waechter überraschend und der Generalsekretär wurde zu seinem Nachfolger berufen. Die Ära Holender begann.

Seine Amtszeit wurde viermal verlängert, so ist er seit 1869 der am längsten amtierende Direktor und künstlerische Leiter der Staatsoper. Während seiner Amtszeit  gab es 93 Premieren und vor allem erkannt er eines, das es wichtig ist, für die Zukunft der Opernhäuser und Theater, dass den Kinder und Jugendlichen das Tor zur Welt der Musik geöffnet wird. So waren unter den Premieren 11 Kinderopern,, u.a. wurde die Zauberflöte und auch der Nibelungenring für Kinder inszeniert. 5.473 Vorstellungen fanden unter seiner Leitung statt und11 Opernbälle, mit letzteren konnte er sich nie so richtig anfreunden, schaffte es aber den Ball wieder zu einem Ball der Künstler zu machen.

Ioan Holender hat in den letzten Jahren das Opernleben nicht nur in Österreich maßgeblich mitbestimmt, Opernstars wie Netrebko, Garanca und Domingo haben während seiner Amtszeit als Direktor am Haus am Ring für volle Ränge gesorgt, Politik, Sparpaket und Kritiker haben ihm das Leben als Staatsoperndirektor nicht immer leicht gemacht. Legt er nun die Zukunft der Oper in andere Hände, so ist er noch lange nicht fertig und das Zitat von La Roche aus der Oper "Capriccio" wird als Versprechen zu werten sein, dass diese Ausnahmepersönlichkeit des künstlerischen Lebens noch einiges im Bereich der Opern und Theaterwelt bewirken wird, zum Leidwesen seiner Kritiker und zur Freude seiner Künstler und Freunde der Opernwelt.

 

 

 

 

 
für den Inhalt verantwortlich Barbara Lechner