Buchpräsentationen-Lesungen
Riemenschneider

- Broschiert: 620 Seiten
- Verlag: Piper (20. Februar 2009)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3492253679
- ISBN-13: 978-3492253673
In diesem Buch rägen 4 Personen die Geschichte: Til Riemenschneider und Magdalena, der Dritte im Bund ist Götz (genau jener Götz der mit einem Zitat in die Geschichte einging!) und Martin Luther.
Zur besseren Verständnis zu den Hauptpersonen und der Epoche:
Til (Tilman) Riemenschneider, zwischen 1459 un 1462 in Heilgenstadt (im Eichsfeld) geboren, gelangte 1483 in seine Wahlheimat Würzburg. Der Geselle wurde nach der Heirat mit der Witwe eines Goldschmiedemeisters zum Bürger der Stadt und durfte einen Meisterbetrieb führen. Durch die Heirat zu Status und Vermögen gelangt, schuf Til sich einen Ruf als Schöpfer von sakralen Figuren und Altären. Um 1500 war er weitbekannt und wurde 1504 in den Rat einberufen und von 1520-1524 war er Bürgermeister der Stadt Würzburg.
Der Rat der Stadt führte seit längerem politische Auseinandersetzungen mit dem mächtigen Fürstbischof,dei Bürger der Stadt verbündeten sich mit den aufständischen Bauern 1525. Der Anführer der Bauern war Götz von Berlichingen,
Nachdem Götz aber am Vortag der Schlacht seine Armee im lies, war das Ganze zum Scheitern verurteilt und die AUfständischen hatten keine Chance gegen die Truppen des Fürstbischofes. Mehr als 8000 Tote waren zu beklagen und die Anführer der Bauern, und auch die Ratsherren der Stadtherren wurden verhaften und gefoltert und teilweilse dem Henker übergeben.
Tilman landetet im Kerker und wurde dort der hochnotpeinlichen Befragung - der Folter - unterworfen. Nach seiner Freilassung wurde ein Grossteil seines Vermögens eingezogen und durch die Obrigkeit sorgte dafür das er keine Auftrage mehr erhielt und vergessen wurde. Bis zu seinem Tod führte er mit seiner 4. Ehefrau ein zurückgezogenes Leben.
Vor allem die Gesichter seiner Holz-und Steinfiguren sind von starker Ausdruckskraft und er lehnte das zukleistern seiner Werke mit Farbe ab, die Holzstruktur stand für ihn im Vordergrund.
Magdalena - seine "Eva" ist historisch erfunden
Gottfried „Götz“ von Berlichingen, ein fraänkischer Reichsritter, wurde vor allem bekannt durch seine Rolle im schwäbischen Bauernkrieg und als Vorbild der gleichnamigen Hauptfigur in Johann Wolfgang von Goethes Schauspiel Götz von Berlichingen.
Martin Luther war der theologische Urheber und Lehrer der Reformation.
Die Geschichte beginnt 1492 in Würzburg, Adel, Beamte und Klerus lebten von der Arbeitskraft der Bauern. Diese waren der Obrigkeit ausgeliefert, Pacht,Frohndienst,Zölle und Steuern bestimmten das Leben und durch Missernten wurden immer mehr Bauern in die Leibeigenschaft gezwungen.er Adel war nichts daran gelegen die Situation ihrer Untertanen zu verbessern und das Raubrittertum ging auch zu Lasten der Bauern zu Wege.Die Klöster lebten von ihren Dörfern und gingen beim Eintreiben ihrer Pacht mit harten Methoden vor.
Von Girolamo Savonarola in Florenz und später auch von Martin Luther kritisiert wurden der Ablasshandel und das ausschweifenden Leben des Klerus , vor allem der blühende Ablasshandel war den Reformern ein Dorn im Auge. Von der Schweiz aus kam es immer wieder zu kleinern Unruhen die im Laufe der Jahre von den Bürgern unterstüzt wurden und schliesslich zu den Bauernkriegen führten.
Zum Buch selber:
Til ist auf der Suche nach einem Vorbild für einer seiner Figuren, er sucht seine "Eva" .In Magalena, einer jungen Bäuerin findet er sie und gegen den Wert eines Guldens solls sie im Modell stehen, nackt, in der damaligen sittenstrengen Zeit ein moralsiches Unding.
Da die Bauersleute auf das Geld angewiesen sind willigt sie ein, nach dem Verlassen der Werkstätte trifft sie auf den Spielmann Hans Beremeter.
Beremeter ein Spieler und Gauner,stets auf seinen Vorteil bedacht entlockt Madalena das sie nackt Modell gestanden ist, und versucht dieses Wissen zu Geld zu machen. Magdalena und ihr Mann Jakob bekommen es mit der Angst zu tun und verzichten auf den versprochenen Gulden von Til. Jakob wird daraufhin von den Schergen des Klosters aufgesucht und weil er den Pacht nicht bezahlen kann von diesen gefoltert und erhängt sich schliesslich das er keinen AUsweg mehr sieht.
Tilman erfährt vom Schicksal der Bauern und bringt Magdalena in der Stadt als Magd unter.Nach der Geburt ihres Sohnes nimmt sie das Angebot des Meistes an in seinem Haushalt als Magd zu arbeiten.
Magdalena liebt Tilman vom ersten Augenblick an,erfährt aber immer wieder die Zurückweisung wenn Tilmann nach dem Tode seiner Ehefrauen einen andere zur neuen Meisterin in sein Haus bringt, Er sieht lange in Magdalena nur seine Eva und betrachtet sie als gute Freundin und Stütze seines Haushaltes. Magdalenas Sohn wächst im Haushalt des Meisters auf und verliebt sich seine Tochter. Eine Verbindung die unter einem schlechten Stern steht, ist sie nicht nur nicht standesgemäss, sondern auch weil Florian unter den Einfluss des Spielmannes gerät und so in den Strudel rund um die Bauernkriege mithineingezogen wird.
Glaubt der Leser von der ersten Begegnung zu wissen wie es mit der Beziehung von Tilmann und Magalena weitergeht so wird er im positiven Sinne enttäuscht, geht es in Richtung Paradies oder Verdammnis, dies bleibt lange ungelöst.
Gleichzeitig wird das Schaffenswerk des Riemenschneiders gewürdigt,es ensteht vor dem Auge des Lesers die Werkstatt, man riecht den Duft des Holzes wenn er die im Holz schlummernden Figuren zum Leben erweckt. Vor allem das Gesicht, und der Ausdruck seiner Figuren waren dem Meister wichtig, jeder Figur bedeutete im unendlich viel.
Durch die Reformation kommt zu Aufständen, die Bauern versuchen sich gegen die klerikale Obrigkeit zu wehren und obwohl es nicht im Sinne Martin Lutherr war nehmen sie sich seine Thesen zum Vorbild.
Seine Schrift Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern veröffentlichte Luther allerdings erst zu einem Zeitpunkt, als die Niederlage der Bauern bereits absehbar war.
Paraell zur Geschichte in Würzburg wird das Leben von Martin Luther geschildert, wie er vom Jurastudenten zum Mönch wird und schliesslich seine Thesen veröffentlicht, und die Geschichte des Reichsritters Götz. Götz der von der Fehde lebt, wird eher unfreiwillig zum Anführer der auständischen Bauern die gegen Würzburg ziehen.
Am Vortag der Schlacht verlässt er den Schauplatz,ohne militärischen Anführer sind die Bauernkrieger und die Städter dem Untergang geweiht. Wie die Würzburger endet der ganze Bauernkrieg, mit Gewalt und Tod.
Auch das beschauliche Familienleben von Riemenschneider endet, der Autor beschönigt hier wie im ganzen Roman nichts, mit aller Deutlichkeit wird aufgezeigt mit welcher Brutaliät gegen jene vorgegangen wird die sich gegen die Obrigkeit wandten.
Vor dem Auge des Lesenden ensteht die Welt des Würzburgs im 16. Jahrhunderts, zeigt die Aspekte des Lebens als Meister,als Bauer,als Spielmann,Geselle und als Raubritters auf und verzaubert von der ersten Seite an.
Manche überraschende Wendung bringt Spannung und sorgt für ein Lesevergnügen das leider mit Seite 621 endet.
