Streitbare Brüder
- Gebundene Ausgabe: 297 Seiten
- Verlag: Residenz; Auflage: 1 (17. Februar 2010)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3701731802
- ISBN-13: 978-3701731800
"Filmzitat aus der Piefke Saga :"
Ach ihr lieben deutschen Freunde
Ihr teueren Besucher unserer Gemeinde
Es tut uns leid von Herzen
Dass man euch zugefügt hat Schmerzen
Glaubet uns, wir lieben euch
Ihr seid uns stets willkommen
Verzeihet uns die schlimme Schmach
Die aus einer Wieners Feder geronnen
Auf den Knien bitte ich euch um Vergebung
Bitte lasst uns nicht im Stich
Hört auf eures Herzens Regung
Seid ein gnädiges Gericht.
Mit diesem Spruch versucht in Begleitung der Trachenmusikkapelle ein kleines Mädchen die aufgebrachten deutschen Gäste zu beruhigen.
Als die Piefke Saga 1990 im Fernsehen zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, schlugen die Wogen hoch bei den Zusehern. Felix Mitterer zeichnete mit beißenden Sarkasmus ein Bild des Piefkes und seines Gegenspielers des "Ösis". Doch woher kommt es, das diese beiden Nationen so streitbare Brüder sind?
Dieser Frage versuchen mit einem Augenzwinkern die Autoren auf den Grund zu gehen, den spätestens seit Cordoba ist Österreich für so manchen Deutschen eine rotes Tuch. Hannes Leidinger,Verena Moritz und Karin Moser beginnen mit ihrer Suche in der Zeit des Heiligen Römischen Reiches, einem wichtigen Teil der gemeinsamen Vergangenheit der zwei Nationen, die immerhin tausend Jahre dauerte.Von Ostarichi weg, Maria Theresia , Friedrich von Preußen, Martin Luther hin bis zu den Hohenzollern wird hier ein Einblick in deutsche und österreichische Geschichte gewährt. So mag es auch nicht verwundern das 1863 Kaiser Franz Joseph nach Bad Gastein reiste, um mit dem dort zur Kur weilenden Willhelm I über die Quelerein zwischen Wien und Berlin zu reden, sehr zum Ärger des Herrn Bismark,plante jener doch Österreich "die preußische Schlinge" um den Hals zu legen. In Europa wurden die Landkarten neu gezeichnet und das die Flotte des maritimen Italiens eine schwere Schlappe gegen Österreich hinnehmen musste, trug auch nicht gerade zur Beliebtheit der Habsburger bei. Doch nach der Schlacht und Niederlage von Königsgrätz trat das Habsburgerreich gezwungenerweise aus dem deutschen Bund aus und die gemeinsame Vergangenheit hatte ein Ende gefunden. In Österreich verursachte der Rauswurf aus dem deutschen Bund, der eigentlich ewig währen sollte noch lange Magenschmerzen.......
Die weiteren politischen Ereignisse des ersten und zweiten Weltkrieges, der Wirtschaftkrise und das Wirtschaftswunderland Deutschland und die dadurch folgenden Invasionen der deutschen Touristen werden in einer Rückschau präsentiert, und auch die Frage gestellt nach den vielen kleinen Unterschieden die nicht nur darin liegen das bei uns die Kartoffel Erdäpfel heisst.
Klischees werden hier nicht aufgeführt, sondern ein Rück-und Einblick in deutsche und österreichische Geschichte geboten, nicht nur von politischer sonder auch von philosophischer Seite wird das Verhältnisse zwischen den beiden Nachbarsländern beleuchtet. Die Zeitreise geht von den Teutonen weg, hin bis zur Wiedervereinigung Deutschlands und dem Beitritt von Österreich zur EU.
Viele verschiedene Ereignisse haben das Zusammenleben der beiden Nationen geprägt. Mythen, Vorurteile und wirtschaftliche Faktoren finden hier ihren Platz und werden neutral betrachtet um dem Leser auch viele neue Faktoren näherzubringe. Mag auch in der Mentalität ein großer Unterschied sein wir bleiben doch Brüder in der Geschichte, wenn auch wie der Titel es richtig sagt- Streitbare Brüder. Anzumerken sei auch die äußert gelungene Gestaltung des Covers mit zwei typischen Vertretern - Theo Lingen und Hans Moser die die Rollen des ewig grantelnden Wieners und des geradlinigen Preussen prägten, und in zahlreichen Filmen ein sehr kontrastreiches Paar voller Gegensätze bildeten.
Das Autoren Trio:
Karin Moser
geboren 1974, ist Filmhistorikerin, Redakteurin, Kuratorin diverser Filmreihen,
Lektorin an der Universität Wien, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Filmarchiv Austria.
Verena Moritz
geboren 1979
Autorin folgender Bücher gemeinsam mit Hannes Leidinger:
Gefangenschaft Revolution Heimkehr,
Das Schwarzbuch der Habsburger,
Russisches Wien,
Zwischen Nutzen und Bedrohung,
Die Nacht des Kirpitschnikow.
Hannes Leidinger
geboren 1969
Gründer, Herausgeber und Redakteur einer historisch-archäologischen Fachzeitschrift. Gestaltung von div. Ausstellungen, Mitarbeiter des Heeresgeschichtlichen Museums, der Fachbibliothek für Zeitgeschichte und Lehrtätigkeit am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien.
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