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Tage der Flut

Frans Pollux
Übersetzer: Christiane Kuby
Gebunden 408 Seiten
erschienen im Aubau Verlag April 2011


 

Tage der Flut hier erhältlich

 

"Tage der Flut" bricht wie eine Sintflut über den Leser herein, zu Beginn ein harmloses Tröpfeln, einem lauem Frühlingsregen gleich, prasselt einige Seiten die Schreibkunst von Frans Pollux auf einen nieder wie ein heftiger Gewitterguss. Syris, ist ein Antiheld, ein Egoist, in sich selbstverliebt, in einer Welt in der die Konzerne die Macht besitzen.  Noch dazu ist er ein Steuerfahnder, doch statt Gerechtigkeit herrscht auch in seiner Behörde Willkür und Korruption. Anstatt Firmen zur Rechenschaft zu ziehen, kehrt man Steuerverfehlungen unter den Teppich, knöpft sich dafür Privatpersonen vor, auch vor der eigenen Familie mach Syris nicht Halt. Egal ob und wie seine Ermittlungsbehörde überprüft, wie die Ergebnisse sind, es kommt immer zu einer Verurteilung.

Doch eines Tages bricht die Welt von Syris zusammen, vor einem Moment noch ein Partygast , einen Atemzug später Einer der um sein Leben kämpft. Was wie ein harmloser Regen begann, wird zu einer Sintflut biblischen Ausmaßes die alles und jeden verschlingt.  Wasser, Wasser nichts als Wasser. Eiskalt und überall. Der Debütroman von Frans Pollux, hat einen etwas außergewöhnlichen Hauptprotagonisten, einem braven Steuerfahnder hat er die Hauptrolle in “Tage der Flut” zugedacht.
Vom Floß zum Boot, von der Hölle zum Fegefeuer, hier ist Syris gelandet, die Erde ist endgültig zum blauen Planten geworden. Wasser, nichts als Wasser rund um das Boot. Brot und Käse und ein Exemplar von Lob der Torheit, mehr hat er nicht zum Überleben. Syris beginnt seine Geschichte zu erzählen. warum der Welt das Wasser bis zum Hals steht und das er, Syris, eine Rolle in der Inszenierung der Apokalypse spielt, eine Rolle die er sich nicht ausgesucht hat, sondern die ihm von den Dämonen unserer eigenen Zukunft zugeteilt wurde. Syris perfektes Leben mit einer glänzenden Karriere, einer Traumfrau an seiner Seite, wird über den Haufen geworfen als der Steuerfahnder in einem Hotelzimmer in Manhattan in den Lauf eine Pistole blickt. Er trifft nicht oft Entscheidungen, doch diesmal trifft er eine einzige, die zu leben – bis er stirbt.

Es beginnen sich  Gegenwart und Vergangenheit zu verweben, Sryis, hat er seine Frau Mariella getötet? Warum? Was wusste Mariella über ihn, was wusste er überhaupt über sie? Während er auf seinem letzten Zufluchtsort, gefangen von der Weite des Wassers, das immer mehr steigt und alles verschlingt, erkennt er das er sich nicht mehr wehren kann, das er Teil des Planes ist, des Großen Planes.

Der Roman von Pollux ist schwer in eine bestimmte Schublade zu stecken, für ihn trifft am besten das zu "moderne Literatur", ein gekonnter Mix aus Essay, Thriller und Erzählung, gespickt mit viel Ironie und gewürzt mit einer gehörigen Dosis Sarkasmus. Gegenwart und Vergangenheit wird  miteinander verschmolzen, eine Vergangenheit die uns vertraut ist- eine Gegenwart wie sie uns droht? Hunderttausende wie er, doch warum ist er das Besondere, der Ursacher der Sintflut? Hier wird der Leser gehörig auf die Folter gespannt, die Knoten in lösen sich nur schwer, hier ein Hinweis, dort eine kleine Anmerkung versteckt, es wird nicht leicht gemacht die Lösung zu entschlüsseln. Der rätselhafte Tod seiner Frau, warum und vor allem wer hat sie getötet, hier tritt das wer in den Hintergrund und die Frage "Warum?", warum tötet man die Frau, ausgerechnet sie?  Dazu kommt Pollux ist Historiker, nun kommt ein neuer Aspekt hinzu. Liegt des Rätsellösung in der Vergangenheit, in der Geschichte begraben? Oder lockt er uns nur wieder auf eine falsche Fährte, lässt uns wieder im Labyrinth seiner Geschichte alleine im Regen stehen? Was steht in der Akte die Sryirs gestohlen hat, und wer will das "Engagement"  stürzen?

Klar und nüchtern, aber doch poetisch, rational aber verspielt, bitterböse aber doch zart, Pollux malt mit Worten, spielt damit, mit einer Leichtigkeit entwickelt sich die Geschichte, formt sich, bindet den Leser mit ein um ihn nicht mehr los zulassen.

Leseprobe

 

© www.mariussuiker.nl

 


Frans Pollux ist bei uns noch ein unbekanntes Gesicht in der Literturszene, mit Erscheinen seines ersten Romanes auf Deutsch wird es sich wohl sicher ändern. Der studierte Historiker spielt mit dem Leser, lockt und verführt ihn, auf der einen Seite poetisch mit großem Erzählpotential, auf der andern Seite die Wucht ähnlich jenen jungen Literaten wie Setz und Zander, eine neue Art von Literatur die begeistert. Vor allem da sich hier viel in einem vereint, Poesie leicht und verspielt, zart in den Worten, dann wieder Erzählkraft die mit Wucht auf den Leser einstürmt, in überrennt, ihn gefangen nimmt im Strudel der Wörter. Die Geschichte entwickelt sich mit  Leichtigkeit, Pollux ist dem Leser immer einen Flügelschlag voraus, aber immer wieder Ironie und Sarkasmus, leicht aber doch treffend. Frans Pollux hält nicht nur sich selbst, sondern uns allen eine Spiegel vor, was wir darin erblicken, ist die Wirklichkeit, die Wahrheit, denn Syris ist einer von Hundertausenden, aber einer wie du und ich, jeder von uns könnte sich in Syris wiederfinden.


Frans Pollux im Gespräch mit Barbara Lechner:

Lob der Torheit“ ist ein Werk in dem die Hauptperson Erasmus der Welt die Leviten liest, lesen Sie in Ihrem Buch der Welt auch die Leviten, halten Sie uns ein Spiegelbild unserer Selbst vor?

- Grundlage ist: ich halte mir selber einen Spiegel vor. Ich bin unleugbar Teil aus von einer Gesellschaft worin Konsumieren fast ein Gesetz ist, und ich geh darin leider mit. Überall wo das Buch etwas  über die Gesellschaft im allgemeinen sagt, , sagt das Buch eigentlich vor allem etwas über mich aus.

Warum erwähnen Sie genau dieses Werk, als kleinen versteckten Hinweis auf die satirischen Seiten Ihres Buches?  Lob der Torheit, wurde vor mehr als 500 Jahren geschrieben, wie aktuell ist das Werk des niederländischen Humanisten heute noch?

Das Werk ist sehr aktuell, denn Freiheit und die Freiheit zu denken was man denken möchte sind heutzutage so selbstverständlich das es fast einen terroristischen Attentat gleichkommt um über Grenzen dieser Freiheit zu reden.

Wo Syris schwierig wird, denke ich, ist in all dieser Freiheit, dieser kaufbare Freiheit, seinen Weg ins Leben zu finden. Syris hat nie gelernt zu wählen. Das ist - denke ich - das größte Problem für meine Generation: alles steht uns zu Verfügung und darum haben wir Angst etwas zu wählen.

 

Syris ist ein Egoist, wie egoistisch sind Sie?

Viel egoïstischer als ich gern sein würde. Ich realisiere mich das ich, weil ich in ziemlicher Ruhe und Luxus lebe, mich noch niemals wirklich in einer Situation befunden habe, wo Egoïsmus der Schlüssel zum Überleben ist. Denn ich glaube schon das Tiere  und auch Menschen, ohne diesen Egoïsmus nicht existieren können. Aber in meine Position in West-Europa, mit genug zu Essen, zu lieben und zu tun was wann will, kommt man mit weniger Egoïsmus zurecht. Seit 2 Jahren habe ich einen Sohn. Ich projektiere jetzt meinen Egoïsmus auf meinen Sohn - ‘Alles für meinen Sohn’ ist der Adagium.

 

Tage der Flut ist ein Roman der sehr weitschichtig ist, war er so geplant, wie ist die Geschichte in Ihrem Kopf entstanden?

Schon seit meine Pubertät wusste ich: irgendwann werde ich ein Buch schreiben. Literatur hat mich immer interessiert, hat mich begeistert, und ich schrieb immer schon Erzählungen, Gedichte und Lieder. Als ich 16 war, oder so, hab ich mir einen ersten Satz ausgedacht: “Das Wasser war überall.” Seit dieser Zeit ist die Geschichte in meinen Kopf gewachsen. Natürlich ist auch ein sehr großer Teil dieses Romans erst auf Papier entstanden, aber ich bin mir sicher das Syris schon jahrelang irgendwo in meinen Gehirn wohnte.

 

Wäre es möglich das das Schicksal von uns allen von einer einzigen Person abhängig sein könnte?

Ich bin Historiker, also meine Antwort würde ‘Ja’ sein. Ich denke aber das diesen Person nur so entscheidend sein kann wie die Gesellschaft, oder großen Gruppen von Menschen, ihn "Entscheidend" sein lassen würden. Das ist vielleicht was das Wort Schicksal bedeutet: Wie viel Macht kommt in einem Moment in den Händen von einer Person zusammen.

 

Steht die Welt moralisch vor dem Abgrund, ist es schon 5 Minuten vor 12?

Ich bin Historiker, also meine Antwort würde ‘Nein’ sein. Schon die Römer beschwerten sich über die Jugend die plötzlich zu laut, zu dumm oder zu wenig interessiert ist.. Kulturpessimismus manifestiert sich in jeder Epoche, in allen Zivilisationen. Ich will mein Buch nicht als  eine Predigt dieses Kulturpessimismus und ich bin davon überzeugt das es genug ‘Gegenkräfte’ gibt die die Uhr wieder zurückdrehen werden- zumindestens nach halb 12. Vielleicht träume ich davon eine dieser Gegenkräfte zu sein.

 

Sind wir heute auch schon den Konzernen ausgeliefert, wo fängt unsere Entscheidungsfreiheit im Alltag an und wo hört sie auf?

Das sind die zentralen Themen meines Buches. Die Fragen sind einfach und konfrontierend, aber die Antworten sind schwierig zu finden. Wenn ich unbedingt einen iPad2 kaufen will, obwohl ich den iPad1 schon habe, ist das ein Fest der Entscheidungsfreiheit, oder bin ich brainwashed von Werbung? Schwierig. Meine These ist: Entscheidungsfreiheit ist nicht länger ein Recht heutzutage; die Entscheidungsfreiheit ist kaufbar geworden. Konzerne und Politiker feiern die Freiheit nicht weil Freiheit gut ist, aber weil es eine Bedingung ist für die freien Marktwirtschaff ist.. Eine Bedingung mit der  wir letztendlich gewaffnet auch andere Länder überzeugen möchten.

 

Frans Pollux ist studierter Historiker,  die Akte heißt „Begegnung“ , welcher Person der Vergangenheit würden Sie gerne begegnen und

a.) diskutieren

Ambiorix, ein Gallischer König der Caesar besiegt hat. Es gibt eine Theorie das der Schlag zwischen Ambiorix und das 14. Legion Caesars irgendwo in Venlo passiert ist, in 54 BC. Venlo ist die Stadt wo ich schon 33 Jahre wohne.


b.) der Person gehörig die Meinung sagen

Allen eindeutige Bösewichter der Geschichte. Von Hitler bis Caesar. Es fühlt sich  gut an das es, trotz aller Relativität, in der Geschichte Leute gibt die entweder deutlich Gut oder deutlich Böse waren. Das gilt selbstverständlich nur für die historischen Portraits dieser Personen die in Geschichtsbücher gemalt werden. Aber das steht für eine aufregende Tirade.

c:)einen Song schreiben

Wannes van der Velde, ein Belgischer songwriter.

 

Eine Auszeit von 8 Monaten, für ein Buch, noch dazu in New York, warum genau diese Stadt, nicht eine ruhiger Ort, oder brauchen Sie den Lärm, die Hektik, die Menschen einer Großstadt?

Alles was man  unter Großstadt versteht  stimuliert die Inspiration. Ruhe fand ich immerhin dort, weil ich niemanden kannte. Einsamkeit war ein Gefühl das ich nie richtig gefühlt hatte, und in New York gab es Tagen ohne Wörter. Nur: ‘One coffee, please’, und den Rest des Tages nur zuschauen und zuhören. In einer Großstadt realisiert man sich das die Welt auch ohne einen dreht. Ich war Zuschauer, und wie hektisch das Schauspiel auch war, es gab mir die Ruhe um dieses Buch zu schreiben.

 

Wie könnten Sie sich ihr Leben nie vorstellen, was wäre Ihr persönlicher Alptraum eines Lebens?

Der Tod hat mein persönliches Umfeld noch nicht getroffen. Das wird natürlich irgendwann passieren. Ich kann mich jetzt noch nicht vorstellen wie ich damit umgehen muss.

 

Wenn Sie nur ein einziges Buch besitzen dürften, welches würden Sie wählen?

Entweder Umberto Eco, Das Foucaultsche Pendel oder Don Quixote. Oder beide. Etwas zum Lachen, zum Lernen und zum Denken.

 

Wie autobiografisch ist Ihre Geschichte ?

Alle Literatur ist autobiografisch. Die Fakten natürlich nicht - ich trau mich nicht in einem Schlauchboot. Aber die Figuren, die Gedanken, die Emotionen, die kommen aus der Hand und dem Herz des Schriftstellers.

 

Syris ist Steuerfahnder, warum nicht Lehrer, Polizist, oder ein etwas sympathischer Beruf?

Ich wollte demonstrieren wie weit die Privatisierung gekommen ist: wenn ja ein Steuerfahnder so weit kommen kann und sich Gewinn und ;Martkwirtschafltlicher  Faktoren kümmern muss, dann sind wir am Ende dieses Systems.

 

Es wird heftig darüber diskutiert das Kinder zu wenig Lesen, können Sie sich vorstellen ein Buch für Kinder zu schreiben, warum glauben Sie hat das Lesen nicht mehr den Stellenwert den es früher einmal hatte als Freizeitbeschäftigung?

Das hängt zusammen mit dem Kulturpessimismus. Leute sind immer ängstlich  das sich Sachen ändern, und sind deshalb viel negativer als es die Wirklichkeit fordert.. Ich glaube nicht das Kinder zu wenig Lesen. Ich glaube schon das Kinder weniger Zeit haben und vielleicht andere Sachen lesen als traditionellen Kinderbücher. Aber ich bin davon überzeugt das es in 20 Jahren noch immer Leute gibt die intellektuellen und emotionellen Herausforderungen suchen und Literatur ist dafür besser geeignet als Film oder Musik.

 

Sie wählen das Wasser als Element der Zerstörung, aber auch gleichzeitig als Schöpfer des Neubeginns, warum Wasser und keine moderne von Menschen geschaffenes Werk wie Atomkraft, Waffen, Viren. Wollen Sie damit aufzeigen das der Mensch die Natur nie bezwingen kann, das die Natur immer stärker sein wird?

Nein: das Wasser in meinem Buch wird ja, allerdings wenn wir Heino glauben, von Menschen gesteuert. Das ist symbolisch - auch die Natur, auch das Wasser, steht heutzutage zur Verfügung der freien Marktwirtschaft.

 

Musik oder Literatur was hat den größeren Stellenwert in Ihrem Leben?

Literatur. Damit lernt man das Leben kennen. Und vielleicht lernt die Literatur einen auch zu Leben. Musik ist wie Wasser - Literatur ist das Land.

 

Wie kommt ein studierter Historiker dazu einen Roman zu schreiben in dem es nicht um die Vergangenheit sondern um die Zukunft geht?

Ein Historiker nutzt seine Kenntnisse um zu sehen wie und warum die Welt geworden ist wie sie heute ist. Es ist nur ein sehr kleiner (aber wesentlicher) Schritt um mit derselben Kenntnisse zu sehen wie die Welt morgen sein wird.

 

Werner Karl Heisenberg, einer der größten Physiker sagte „Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn man alles vergessen hat, was man gelernt hat.  Wie sind Sie auf Heisenberg gekommen? Warum hat er einen Platz in Ihrer Geschichte ?

Ich bin interessiert an verrückten Theorien. Tesla, Heribert Illig und auch Werner Heisenberg hatten alle verrückte Gedanken. Die von Heisenberg sind näher an der Wahrheit, das gebe ich zu, aber für die meisten Laien sind sie immerhin verrückt. Und was Heisenberg über  winzige Teilchen behauptet, kann ein Laie  auch behaupten über Menschen oder über unsere Gesellschaft. Seine Theorie war für mich sehr brauchbar.

 

Als nächstes wird von Ihnen  ein neues Buch kommen oder brauchen Sie eine Pause vom Schreiben, welche Erfahrungen hat Ihnen das Schreiben, das Entstehen des Werkes persönlich gebracht?

Schreiben hat mich konfrontiert mit Eigenschaften und Gefühle wovon ich nicht wusste das ich die überhaupt habe. Man ist während das Schreiben sehr egoïstisch, sehr einsam und sehr unsicher. Aber eine eigene Welt fabrizieren ist genau das was Leute am liebsten tun. Politiker tun das mit einer Stadt, einem Land oder der ganzen Welt. Ich tue das auf Papier, und ich habe wieder eine kleine Auszeit von zwei Monaten um einem Anfangen mit meinem  neuem Buch zu machen.


„Der große Plan“ was ist der große Plan von Frans Pollux?

Viel lesen, sehr viel lesen. Lesen und dann etwas schreiben das andere Leute mit Vergnügung lesen können.

Und noch einen Sohn oder eine Tochter bekommen.


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für den Inhalt verantwortlich Barbara Lechner